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--> Was ist eine Sekte?
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und
Psychologen (Arbeitskreis Psychomarkt - Sekten - Destruktive Kulte,
Dipl-Psych. Werner Gross) hat ein Faltblatt herausgegeben, in dem folgende
Sekten-Kriterien aufgelistet werden:
1. Ideologie: Theorie,
Glauben, Ziele
Hier geht es um den theoretischen Hintergrund der Gruppe. Denn nicht nur
die Praxis, sondern auch die ideologische Ausrichtung kann zu vielfältigen
Problemen führen - vor allem, wenn folgende Tendenzen vorherrschen:
-
Überwertige Idee" Das Paradies auf Erden oder der neue
Mensch" ist mit Hilfe der Lehre kurzfristig herstellbar (Allmachtsphantasien,
Größenwahn).
-
Wahrheitsmonopol: Die Gruppe hat (ihrer Ansicht nach) das einzig
gültige Welterklärungssystem.
-
Schwarz-Weiß-Denken: Einfache Gut-Böse- oder
Richtig-Falsch-Muster prägen das Denken und Handeln.
-
Endzeitvision: Der Weltuntergang ist nahe (für Ungläubige).
-
Rettungsplan: Patentrezepte, die das Heil (nur für Gläubige)
versprechen.
-
Expansiver Machtanspruch: Wir müssen die Welt retten",
ist der Tenor.
2. Die zentrale Figur:
Führer, Guru, Meister(in)
-
Führerkult: Er/Sie wird als Gott, Heiliger oder Channel"
verehrt, ist allmächtig, hellsichtig oder hat Wunderfähigkeiten.
-
Führungsstil: Er/Sie hat oberste (nicht mehr kritisierbare)
Autorität, verlangt kritiklose Loyalität und beansprucht
Wahrheitsmonopol.
-
Charismatisierung: Heiligenverehrung und idealisierende Legendenbildung
werden propagiert.
3. Gruppenstruktur:
Elitegemeinschaft
-
Abschottung nach außen: Die Gruppe ist ein geschlossenes System
mit starren Außengrenzen.
-
Hohe Gruppenkohäsion: Die Gruppe hält zusammen wie
Pech und Schwefel", überwacht, kontrolliert und bestraft sich gegenseitig.
Eventuell gibt es eine interne Sondersprache.
-
Es existiert eine steile Hierarchie, mit Befehlsgewalt der Oberen,
Gehorsam des einfachen Mitglieds und gestaffeltem Informationssystem.
-
Elitebewusstsein: Gruppenmitglieder fühlen sich als Avantgarde
zur Rettung der Welt/Menschheit. Missionierungszwang und/oder
Märtyrerideologie prägen des Gruppenbewusstsein.
-
Ausbeutung: Gruppenmitglieder lassen sich (mehr oder weniger freiwillig)
materiell oder/und als billige Arbeitskräfte ausnutzen.
-
Subversive und illegale Tätigkeiten: Die Gruppierung glaubt,
über dem Gesetz zu stehen und drängt Mitglieder (offen oder versteckt)
zu illegalen Tätigkeiten (Erpressbarkeit!).
4. Einfluss auf das
Mitglied: Bewusstseinskontrolle
-
Entindividualisierung: Die totale Hingabe wird gefordert, die Gruppe
und das gemeinsame Ziel ist wichtiger als der Einzelne.
-
Einfluss auf die alltägliche Lebensgestaltung: Es gibt Vorschriften
für Essen, Kleidung, Körperpflege, Tagesgestaltung, Ausgangs- und
Kontaktsperren, Telefon- und Briefkontrollen, Beziehungen und Sexualität
werden reglementiert.
-
Materielle Abhängigkeit: Das Gruppenmitglied hat kein Privateigentum
und/oder kein Geld. Es wird für seine Arbeit nicht bezahlt und ist nicht
kranken-, unfall- oder rentenversichert. Pass, Führerschein o.ä.
werden gemeinsam aufbewahrt.
-
Magisches Denken herrscht in der Gruppe vor: Alles ist vorbestimmt",
Gott will es so"
-
Bruch mit der persönlichen Lebensgeschichte: Beziehungen zur
Herkunftsfamilie, zu Partnern und Freunden werden abgebrochen. Schule, Studium,
Beruf werden aufgegeben. Die bisherige Lebensgeschichte wird uminterpretiert.
-
Sektenidentität: Das Gruppenmitglied bekommt einen neuen Namen,
bewegt sich fast ausschließlich in der Gruppe und unterliegt einer
allmählichen Umwertung aller Werte". Damit einher geht ein Verlust
von Realität und von Tauglichkeit für ein Leben außerhalb
der Gruppe. Es entwickelt sich psychische Abhängigkeit.
5. Techniken zur
Persönlichkeitsveränderung
-
Es werden emotionsmobiliserende, euphorisierende und
bewusstseinsverändernde Techniken eingesetzt: Hyperventilation,
Chanten, Zungenreden, exzessive Meditation etc.
-
Wiederholte Labilisierung durch Fasten, Schlafentzug, körperliche
und psychische Überforderung, sensorische Deprivation, etc.
-
Das Ziel ist dabei eine Art Spirituelles Erlebnis", das von
der Gruppe dann als Geburt des wahren Menschen interpretiert wird (Endlich
habe ich mich selbst gefunden").
6. Kontakte nach
Außen und Umgang mit Ehemaligen und Kritikern
-
Die Gruppe praktiziert manipulative Anwerbemethoden, in denen mit
unrealistischen Versprechungen Menschen geködert werden.
-
Bunkermentalität: Die Gruppe kapselt sich massiv ab (Innen
der Himmel, außen die Hölle"). Es herrschen
Verschwörungstheorien und Verfolgungswahn vor.
-
Es gibt keinen legitimen Grund, aus der Gruppe auszusteigen; deshalb
werden Ehemalige zu Unpersonen erklärt (vogelfrei", Kontaktabbruch),
die mitunter erpresst werden.
-
Kritiker werden eingeschüchtert und es wird versucht, sie mit
Drohungen, öffentlichen Diffamierungen, Telefonterror, Gerichtsprozessen
oder sogar körperlichen Attacken mundtot zu machen.
Die vorliegende Information ermöglicht eine differenzierte Beurteilung
von Gruppierungen der Esoterik- und Sektenszene nach einer Reihe von objektiven
Kriterien. Einzelne der aufgeführten Merkmale machen sicher noch keine
konfliktträchtige oder gefährliche Gruppe aus, da man sie auch
in anderen Vereinigungen findet. Gruppierungen sind umso problematischer,
je mehr der kritische Punkte auf sie zutreffen. Entsteht aus vielen vorhandenen
Einzelmerkmalen ein Profil, kann man von einem Destruktiven Kult sprechen.
Allgemeine Hinweise zum Sektenbegriff
finden Sie auch auf den Seiten der EZW Berlin sowie bei der ev. Weltanschauungsberatung
Stuttgart..
Eine PDF-Datei des Faltblattes mit dem obigen Text des Bundes
Deutscher Psychologen ist hier
downloadbar.
©
Gerald Kluge, Beauftragter
für Sekten und Weltanschauungsfragen im Bistum
Dresden-Meißen
E-Mail:
info@sekten-sachsen.de
aktualisiert: 7.1.10
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URL der Originalseite:
http://www.sekten-sachsen.de/wasistsekte.htm