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Die meisten Anfragen, die den Verfasser dieser Seiten zum Thema Scientology erreichen, drehen sich um die Frage: "Ich habe gehört, die Firma xyz soll zu den Scientologen gehören..."
In der übergroßen Zahl der Fälle handelt es sich um
Gerüchte, wobei schwer zu sagen ist, ob böswillig, um einem
Konkurrenten zu schaden (so vermutlich bei
Warsteiner)
- oder uninformiert, weil man jede Ungereimtheit in Auftreten oder
Unternehmensführung gleich als Anzeichen für eine scientologische
Infiltration sieht.
Oft erregt es Misstrauen, wenn in einem Unternehmen Maßnahmen im Sinne
einer "corporate identity" (wie z. B. einheitliche Kleidung oder ein bestimmtes
Reglement für das Auftreten der Mitarbeiter) eingeführt werden
oder in Bereichen, wo es bisher nicht üblich war, ein strenges
Qualitäts- und Kostenmanagement etabliert wird (z. B. in
Krankenhäusern oder Altersheimen). In der Regel soll es dem Wohl des
Kunden dienen und hat nichts mit Scientology zu tun, auch wenn Kritiker des
Unternehmens gern das Wort "sektenähnlich" verwenden.
Auch bei stärkeren Eingriffen der Firma in den familiären oder persönlich/psychischen Bereich ihrer Mitarbeiter wird schnell ein Scientology-Verdacht laut. Dieser scheint eine Art Symbol für die kalte Seite des Kapitalismus geworden zu sein und wird auch auf Drückerkolonnen, Strukturvertriebe oder obskure Motivationsseminare verwendet. Aber nicht überall, wo unseriös oder vereinnahmend gearbeitet wird, hat immer die Scientology-Organisation ihre Hände drin.
Wenn Sie also mit solchen Gerüchten konfrontiert werden, fragen sie erst einmal nach konkreten Fakten, die den Verdacht erregt haben oder nach der Quelle dieser Gerüchte. Wenn keiner der im folgenden aufgelisteten Verdachtmomente zutrifft und der den Verdacht Äußerende auch keine Fakten bringen kann, war es sicher wieder blinder Alarm.
Folgende Zeichen könnten ein deutlicher Hinweis sein, dass eine Beziehung zu Scientology existiert (weitere Informationen dazu bringt die Seite von Ingo Heinemann "Gehört diese Firma zu Scientology"):
übertriebene Statistik (typisch scientologischer Abrechnungstermin ist Donnerstag 14.00 Uhr)
der (scientologische) Berater übernimmt die Geschäftsleitung und führt eine Verwaltungsskala (Admin-Scale), eine Organisationstafel (Org-Board) und tägliche Statistiken ein.
Das Betriebsklima verändert sich: gegenseitige Überwachung, Misstrauen, klare Befehlslinien (mit Unterordnung und Gehorsam)
Der Scientologe möchte Erfolge" dokumentieren: er hat den Titel Patron, teure Hubbard-Ausgaben im Arbeitszimmer oder taucht auf Mitgliederlisten von WISE auf (Eine kritische, englischsprachige Seite stop-wise.biz bietet u. a. eine Übersicht von WISE-Mitgliedern.)
Unternehmensberater,
Anbieter von Schulungen
Hier empfiehlt sich bei einem Verdacht auf Scientology-Verbindung folgende Checkliste (nach Tom Voltz, Scientology, Herder 1997)
Taucht er in einer Mitgliederliste von WISE auf?
Findet sich eines der folgenden Copyrights auf den Kursmaterialien (dazu wäre ein WISE-Lizenznehmer verpflichtet)
Man sollte fragen, ob der Anbieter die Seminar-Inhalte selber entwickelt hat, und wo man ansonsten Primärliteratur zu seiner Methode finden kann (als Vorbereitung" auf das Seminar).
Auffällige Aussagen wären:
Das Verkaufstraining nach Les Dane" ist zwar nicht direkt scientologisch, wird aber gern von Scientologen benutzt.
Die soziale Verantwortung eines Unternehmers wird negiert.
Personal-Management-Firmen
(nach SecuMedia Verlags-GmbH, WIK 95/2, Unternehmensschutz)
Werden Symbole, Zeichen etc. im Anschreiben der Firma/des Anbieters verwendet, die Ähnlichkeit mit den einschlägig bekannten Symbolen (z. B. von Scientology) besitzen?
Werden Namen wie L. Ron Hubbard, Dianetics, OCA oder Oxford Capacity Analysis verwendet (was auf Scientology hinweist)?
Werden Werte - Wertesysteme angesprochen, die zu Veränderungen in Ihrem Unternehmen führen?
Prüfen Sie die Referenzen!
Kann der Anbieter nachweisen, wie lange er bereits als Firma auf diesem Gebiet tätig ist?
Welche persönliche Qualifikation (Werdegang/Schulungen) besitzt Ihr Gesprächspartner?
Ist der Anbieter vertraglich zur Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen/Institutionen verpflichtet?
Nach welchem System wird die Personalauswahl vorgenommen?
Lassen Sie sich einen Fragebogen vorlegen!
Welche Institution wertet die Fragebögen/Tests aus?
Welche Qualifikation können die Auswerter nachweisen?
Sind Ergebnisse der Personalauswahl empirisch belegbar?
Gibt es eine Nachbetreuung durch z. B. weiterführende Seminare, Kurse, etc.?
Wird eine Persönlichkeitsveränderung erwähnt/angestrebt?
Werden eigene wissenschaftliche Thesen aufgestellt und jede andere Wissenschaft als lächerlich oder unwirksam dargestellt?
Werden Gründer oder Firmeninhaber immer wieder zitiert?
Geht von Seminarteilnehmern nach einem Besuch eines solchen Lehrgangs eine erkennbare Euphorie aus?
Ein Flugblatt mit einer Checkliste, nach der man Nachhilfeanbieter beurteilen kann, um einen Sektenhintergrund auszuschließen, wurde gemeinsam vom Sekten-Info Essen und der Studienkreis GmbH erstellt. Er ist online als pdf-Datei aufruf- und downloadbar.
Weitere Hinweise zum Thema "Ist meine Firma von Scientology unterwandert?" finden sich bei religio, bei Ingo Heinemann und bei der Elterninitiative München (pdf).
©
Gerald Kluge, Beauftragter
für Sekten und Weltanschauungsfragen im Bistum
Dresden-Meißen
E-Mail:
info@sekten-sachsen.de
aktualisiert: 1.10.06
URL der Originalseite:
http://www.sekten-sachsen.de/sc-wie-erkennen.htm