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Die
Holic-Gruppe |
Immunisierung gegen Kritik - Wie verhalten? - Probleme bei Aussteigern - Angehörigen helfen
Wie
beugt die Gruppe zu erwartender Kritik vor?
Ein Mitglied der Gruppe wird kaum auf die Idee kommen, in einer Sekte zu sein. Zum einen fehlen Dinge, die man landläufig mit einer Sekte in Verbindung bringt: ein besonderer eigener Name, die stark ausgeprägte Hierarchie mit alles überragender Gründerfigur, die Größe und das weltweite Imperium des Leiters, das zu dessen Bereicherung dient... Zum anderen wird von der Gruppe meist unterschwellig gezielt an dem Begriff gearbeitet. So wird wie nebenbei bemerkt, dass Jesus und seine Jünger ja damals auch als Sekte des Neuen Wegs bezeichnet worden seien. Oder man erzählt das Beispiel von zwei österreichischen Geschwistern, die meinten, in eine Sekte gekommen zu sein, und dann aber erkannten, wie unsinnig dieser Gedanke ist - worauf ausgiebig gelacht wird.
Die Holic-Anhänger reagieren inzwischen auch ausgesprochen wütend und gereizt, wenn man von ihrer Gruppe als einer "Sekte" spricht.
Auch die Kritik von kirchlicher Seite bzw. von den Eltern wird (wie auch bei anderen Sekten zu beobachten) entsprechend negativ besetzt: Die Kirche sei aus Konkurrenzgründen dagegen und weil ihr als von der Bibel Abgefallenen hier die wahre Gemeinde vor Augen gestellt würde. Die Eltern hätten eigensüchtige Motive wie Selbstmitleid, das Festhalten-Wollen der Kinder ("Ich (Dein Kind) bin ja nur dein Götze!") oder die Unlust, ihr Leben nach der Bibel auszurichten. Teilweise wird auch der Teufel selbst bemüht, der angeblich hinter den Kritikern und deren Aktionen stehe.
Zumindest in der Anfangszeit wurde in der Gruppe eine relativ große Fluktuation beobachtet. Mancher sprang nach einiger Zeit ab, weil der Lebensstil zu radikal und anstrengend war. Vor allem die langen Missionen an den Wochenenden und den Abenden in der Woche wurden als belastend erfahren.
Allgemein ist aber bekannt, dass der "Abfall" als eine der schlimmsten Sünden dargestellt wird und entsprechende Ängste geschürt werden, man sei dann ewig verloren. (Siehe hierzu den Brief an "abgefallen" Mitglieder weiter hinten) Ehemalige Mitglieder schildern das auch als eine "Riesenangst", der sie sich in der Zeit des Zweifels ausgeliefert sahen. Die Gruppe würde sogar eher in Kauf nehmen, dass entstandene psychische Probleme den Menschen in den Selbstmord trieben. Ein ehemaliges Mitglied berichtete, dass der Satz gefallen sei: "Es ist besser, dass er sterbe, als dass er abfalle."
Wie bei allen Sekten sollte zuerst die Information stehen, die dem Betreffenden die Möglichkeit einer eigenverantworteten freien Entscheidung gibt. Das Wissen, wodurch eine Gruppe sektiererischen Charakter annimmt, wie die Sekten allgemein ihre Mitglieder werben und welche Gefahren es in diesem Zusammenhang gibt, sollte heute zur Allgemeinbildung gehören. Dieser Information will auch diese Seite in Bezug auf die Holic-Gruppe dienen.
Allerdings ist eine Konfrontation des betroffenen Angehörigen mit kritischen Hinweisen nur solange sinnvoll, wie ein ehrliches kritisches Gespräch möglich ist. Ab einem gewissen Stadium der Mitgliedschaft werden diese Dinge nicht mehr durchdacht, sondern einfach vom Tisch gewischt. Hilfreich ist es auch, dem Betroffenen die Möglichkeit zu geben, selbst in Ruhe darüber nachzudenken. Das wird in der Regel nur möglich sein, wenn er eine Weile - und sei es nur ein Wochenende - nicht in der Gruppe ist, wo er sonst jeden Tag gedanklich bearbeitet wird. Die Gruppe versucht dies aber bewusst zu verhindern und kümmert sich sehr intensiv um einen Neugeworbenen, so dass er möglichst wenig allein und getrennt von der Gruppe ist. Auch wenn diese Methode aus Sicht der Gruppe recht erfolgreich ist, so sollten sich doch Eltern und Freunde hüten, sie mit umgekehrten Vorzeichen nachzuahmen. Der Betroffene sollte vielmehr spüren, dass er selbst sich entscheiden kann und nicht wieder von jemand anderem gedrängt und beeinflusst wird. Gerade wenn jemand dabei ist, die Methode der Gruppe zu durchschauen und ihm erste Zweifel kommen, ist er sehr hellhörig für jede Art von Manipulation, die ihn nur wieder vereinnahmen will. Praktisch bedeutet dies, nicht ständig auf den Betroffenen einzureden, wenn er das nicht will, und ihn auch allein zu lassen, damit er sich besinnen und die Dinge bedenken und prüfen kann. Nur am Rande soll erwähnt werden, dass selbstverständlich jede gewaltsame Loslösung (z. B. durch Täuschung oder gar Entführung) aus grundsätzlichen ethischen Gründen prinzipiell abzulehnen ist. Außerdem bewirkt ein derartiger Versuch auch eher das Gegenteil (wie am Anfang geschildert).
Ein bei Sektenabhängigen oft gemachter Fehler besteht darin, dass Freunde, Verwandte bzw. Eltern das Problem auf ihre Weise lösen wollen, und so z. B. mit dem Kind wegen seines auffälligen Verhaltens zum Psychologen gehen wollen. Auch eine Argumentation auf rein humanistischer Basis oder mit logischen Argumenten verfehlt im Fall eines Holic-Anhängers ihr Ziel. Das einzige Problem, das die Betroffenen noch bewegt, ist die Frage, wie man richtig nach der Bibel lebt. Andere als biblische Argumente haben deshalb keine Beweiskraft mehr.
Verabreden Sie mit Ihrem Angehörigen deshalb ein
»ritualisiertes«
Gespräch, für das Sie konkrete Absprachen treffen: Jeder
lässt den anderen aussprechen und versucht vorbehaltlos zuzuhören.
Sorgen Sie für eine ungestörte und vor allem sachliche
Atmosphäre.
Lassen Sie Ihren Angehörigen zuerst sprechen. Bitten Sie ihn um seine
Darstellung, was er in der Gruppe an Positivem gefunden hat. Sie werden dabei
erfahren, was ihm in seinem bisherigen Leben gefehlt hat (Partnerschaft?
Freunde? Bestätigung? Antworten auf Sinn- und Existenzfragen). Können
Sie an dieser Stelle Hilfe und Alternativen bieten?
Erzählen Sie Ihrem Angehörigen, wie irritiert sie von seiner
Veränderung sind. Berichten Sie von den kritischen Informationen, die
Sie inzwischen erhalten haben und bieten Sie ihm diese an. Bedeuten Sie ihm,
dass für eine mündige Meinungsbildung nicht ausreicht, nur eine
Seite (die der Gruppe) allein wahrzunehmen.
Sagen Sie, dass Sie besorgt sind und benennen Sie die Risiken, die Sie
sehen.
Versichern Sie Ihrem Angehörigen, dass Sie seine Entscheidung zwar nicht
verstehen, aber akzeptieren.
Eröffnen Sie Perspektiven: Sichern Sie ihm zu, dass sie ihm bei einem
Ausstieg jederzeit helfen werden und zwar ohne dann den Zeigefinger zu erheben
im Sinne von »Das hab ich Dir doch damals schon gesagt«. Bedenken
Sie, wie schwer es für jeden ist, einen Irrtum einzugestehen. Erheben
Sie ihren eigenen Lebensentwurf nicht zum Maßstab.
Sprechen Sie das Thema von sich aus künftig nicht ständig an. Andernfalls verstärken Sie die Verteidigungshaltung Ihres Angehörigen. Möglicherweise rechtfertigt er dann eine Sache, an der er bereits selbst zweifelt.
Eine Hilfe für Menschen, die gerade auf dem Weg in die Gruppe sind, aber noch Zweifel haben, stellt das Gespräch mit ehemaligen Mitgliedern dar. Sie kennen aus ihrer eigenen Erfahrung am besten die Probleme und Schwachstellen der Gruppe. Hierin können sie auch Mitgliedern, die an ein Verlassen der Gruppe denken, ein guter Ansprechpartner sein. Und allein durch das Gespräch mit ihnen wird dem Noch-Anhänger die Angst genommen, es könnte kein glückliches und erfülltes Leben außerhalb der Sekte geben. Entsprechende Kontakte können die auf der nächsten Seite aufgeführten Weltanschauungsbeauftragten vermitteln.
Bei einem Streitgespräch (z. B. beim plötzlichen Auftauchen von Werbern in der eigenen Jugendgruppe) sollte man mit einem klaren Konzept ins Gespräch gehen. Es ist mit der schon beschriebenen Strategie zu rechnen, dass die eigenen Argumente vom Holic-Anhänger nicht zur Kenntnis genommen werden. Man sollte sich das Gespräch nicht von den Sektenmitgliedern lenken lassen. Beim Besuch in einer Wohngemeinschaft der Sekte muss man wissen, dass man auch selbst für die dortige Atmosphäre und die Ernsthaftigkeit des Lebensstils der Gruppe empfänglich ist. Da man sich als Normalbürger im Gegensatz zu Holic-Mitgliedern auch einmal hinterfragt, kann man nachher mitunter selber arge Zweifel und Schwierigkeiten haben. Die Selbstsicherheit, mit der die Gruppe auftritt, kann einen zweifeln lassen, ob die Holic-Leute nicht vielleicht doch recht haben und man selbst derjenige ist, der sich irrt. Man sollte deshalb nicht allein hingehen, sondern einen bibel- und glaubensfesten Begleiter haben. Das beugt auch der Gefahr vor, als einzelner von zwei oder mehr Gruppenmitgliedern auf einmal bearbeitet zu werden.
Im Gespräch mit bereits sehr engagierten Mitgliedern sollte weniger Werbung oder Agitation gegen die Sekte gemacht werden, sondern das Befreiende des eigenen Glaubens als ein positiver Gegenentwurf deutlich werden. Sektenmitglieder kommen dann am ehesten zum selbständigen Denken und können auf diesem Hintergrund Fehler und Schwächen der Sektenideologie erkennen. Überhaupt sollte ihnen durch das erlebte Glaubenszeugnis anderer Christen aufgehen, dass es auch außerhalb ihrer Gruppe Menschen gibt, die sich mit großem Einsatz um ein christliches Leben bemühen. Ein starke Argumentation gegen die Gruppe drängt den dort engagierten Angehörigen in eine Verteidigungsposition und schweißt die Mitglieder eher zusammen. Ebenso falsch ist es, an das Mitleid des Sektenangehörigen zu appellieren (vielleicht sogar noch mit der Drohung: "Wenn du nicht zurückkommst, bring' ich mich um!"). Sehr schnell wird einem dann entgegnet, dass es sich dabei doch bloß um egoistisches Selbstmitleid (ein beliebtes Schlagwort der Gruppe) handele. Auch eine plötzliche Umstellung im Lebensstil der Familie (z. B. öfters gemeinsames Bibellesen, was früher unüblich war) wird von dem Sektenmitglied als unglaubhaft und nur als Mittel zum Zweck empfunden, ihn von der Gruppe zu lösen.
Sinnvoll sind dagegen eher Fragen. Sie sollten allerdings weniger kritisch, sondern mehr auf Information gerichtet sein (z. B. wie sie sich die Verwirklichung bestimmter Ziele vorstellen) und das Sektenmitglied nicht sofort in eine Verteidigungsposition drängen. Ansonsten hört man meist sowieso nur die Antworten, die vorher in der Gruppe besprochen wurden. Durch die Fragen soll der Holic-Anhänger aber zum eigenen Nachdenken angeregt werden. Allerdings dürfen diese Fragen nicht als Mittel zum Zweck gebraucht werden, sondern es müsste schon echtes Interesse des Fragenden dahinterstehen. Natürlich besteht dabei die ständige Gefahr, dass ein derartiges Gespräch schnell in eine streitgeladene Diskussion abkippen kann. Hilfreich sind auch Gespräche oder Fragen über von der Gruppe sonst nicht behandelte Themengebiete, um den Horizont des Betroffenen über die Verengungen der Gruppe hinaus zu weiten.
Als hilfreich hat es sich auch erwiesen, Informationen über andere Sekten zu sammeln. Mitunter begegnet man dort ganz ähnlichen Phänomenen und Praktiken. Während ein Holic-Anhänger sofort in Abwehrhaltung geht, wenn man das Gespräch auf seine Gruppe lenkt, kann man mitunter recht unbeschwert mit ihm über die Zeugen Jehovas oder die Mun-Bewegung reden. Parallelen zu seiner Gruppe sollte er aber selber finden. Der Wink mit dem Zaunspfahl ("Schau mal, ist das bei euch nicht so ähnlich?") bewirken nur, dass er gedanklich abblockt und sich diesen Überlegungen versperrt.
Immer zu empfehlen ist, solange wie möglich Kontakt zu halten. Stärken Sie das Gemeinsame. Halten Sie weiterhin Kontakt mit ihrem Angehörigen, auch wenn die gemeinsamen Interessen Ihrer Beziehung schwinden. Unterstützen Sie auch seine anderen Sozialkontakte außerhalb der Gruppe. Ein Ausstieg aus einer vereinnahmenden Gruppe fällt umso schwerer, wenn der Aussteigende keine anderen sozialen Kontakte mehr hat und der Ausstieg in eine Einsamkeit führt. Auch wenn die eigenen Briefe nicht beantwortet werden, so signalisieren sie dem Sektenmitglied doch: "Da ist noch jemand außerhalb der Gruppe, dem du nicht egal bist. Wenn du Probleme hast, kannst du dorthin kommen." (Ganz selten passiert es allerdings auch, dass die Gruppe Briefe nicht an den Adressaten aushändigt, "weil das geistig jetzt für ihn nicht so gut ist".) Zu dieser Kontaktpflege sollten auch ehemalige Freunde und andere Verwandte motiviert werden. Auch wenn durch die Gruppenideologie Barrieren zu bisherigen Freunden und Verwandten aufgebaut werden, so ist doch die Erinnerung an die früheren auch frohen Zeiten in der Familie nicht so leicht wegzuwischen. Deshalb sollte in Gesprächen auch immer wieder die menschliche Seite angesprochen werden.
Vermeiden sollte man alles, was den Kontakt zusätzlich erschwert. Doch darf dies nicht dazu führen, dass man sich allen (unter Umständen auch finanziellen) Forderungen des Holic-Anhängers beugt. Aber wenn man weiß, auf welche Dinge die Gruppe Wert legt bzw. was als falsch gilt (z. B. Geburtstag oder Weihnachten feiern), kann man unnötige Konfliktfelder vermeiden. So sollte man einem überzeugten Holic-Anhänger gegenüber seine Gruppe auch nie als "Sekte" bezeichnen.
Man wird bei solchen Kontaktversuchen bemerken, dass beim Sektenmitglied zwei verschiedene Identitäten vorhanden sind und sollte sich deshalb durch völlig gegensätzliche Verhaltensweisen nicht verunsichern lassen. Manchmal reagiert er normal und herzlich, kommt vielleicht sogar von sich aus zu Besuch: dann kommt die eigenen Identität zum Vorschein. Und kurze Zeit später ist er wieder kalt, abweisend und gefühllos: hier hat die angelernte Sektenidentität wieder die Oberhand. Sehr gut erklärt ist das (wie auch viele andere Dinge zu psychologischen Fragen in Sekten und der Ausstiegsberatung) in dem äußerst lesenswerten Buch von Steven Hassan "Ausbruch aus dem Bann der Sekten", rororo-Sachbuch 9391, ISBN 3-499-19391-4, DM 19,90 (1995). Angehörigen und Freunden von Sektenmitgliedern ist die Lektüre dieses Buches trotz einiger inhaltlicher Schwächen zu empfehlen (z. B. werden im Buch zu sehr die manipulativen Mechanismen der Sekten gegenüber den sozialbiographischen Gründen betont, welche die Sekte für den einzelnen attraktiv erscheinen lassen.)
Man sollte möglichst oft versuchen, die eigene Identität des Sektenmitglieds anzusprechen und die Sektenidentität einfach zu ignorieren. Dies geschieht vor allem über die Gefühlsebene. Dem Sektenanhänger fehlen in der Gruppe Liebe und Zuwendung. Er ist dafür unbewusst dankbar, auch wenn er nach außen ablehnend erscheint. Hier sollte man sich fragen, was den Holic-Anhänger früher angesprochen hat (Freunde, Geschwister, Hobby, Musik, Garten, Haustiere ...) und diese Dinge dezent pflegen. Einen plakativen Hinweis darauf ("Das hast Du doch früher immer so gern gemacht.") sollte man aber möglichst vermeiden. Der Holic-Anhänger meint dann sofort, sich gegen diese Gefühle in ihm wehren zu müssen, da das ja zu seinem früheren "sündigen" Leben gehörte.
Man muss aber wissen, dass die Initiative zum Kontakt immer wieder von einem selber ausgehen muss. Das Sektenmitglied wird sich von selbst nicht um einen Kontakt bemühen. Andererseits sollte man aber nicht zu aufdringlich erscheinen. Zu häufige Besuche bewirken eher das Gegenteil.
Beobachtet wurde auch, dass eine zeitliche Trennung von der Sekte (z. B. durch den Wehrdienst ...) hilfreich ist, um das Übertriebene an Lehre und Lebensstil zu durchschauen. Man ist dort nicht den täglichen Treffen der Gruppe und der damit verbundenen ständigen Indoktrination ausgeliefert. So kann sich der Einzelne aus der Distanz ein eigenes Bild machen.
Eine rein praktische Frage betrifft die Versicherungen. Normalerweise sind die Mitglieder durch ihre Arbeit krankenversichert. Allerdings ist die Gruppe mit ihren Kleinbussen auch in Nicht-EU-Ländern unterwegs, die nicht bei jeder Versicherung auch in den Versicherungsschutz eingeschlossen sind. Hier sollten die Eltern für ihre Kinder eine Auslandskranken- bzw. Auslandsunfallversicherung abschließen, da bei einem Unfall im Ausland hohe finanzielle Forderungen auf sie zukommen können.
An Geburtstagen und Weihnachten oder bei anderen Gelegenheiten empfehlen sich kleine praktische Aufmerksamkeiten, die der jeweilige Angehörige gebrauchen kann (z. B. Kleidung) oder die eine bestimmte emotionale Botschaft beinhalten (wie z. B. selbstgebackenes Gebäck). Vor allem bei letzterem sollte bedacht werden, dass es in der Gruppe geteilt wird - also möglichst etwas reichhaltiger bemessen sein sollte. Ein direkter Hinweis auf das Fest ("Das schenke ich Dir zum Geburtstag.") ist nicht angebracht, da diese Feste von ihnen abgelehnt werde. Von größeren, luxuriösen und kostspieligeren Geschenken ist besser abzuraten. Vom Anspruch des einfachen Lebensstils her werden sie eher als ärgerlich empfunden. Und wie auch bei ebenfalls zu vermeidenden Geldgeschenken kommt der Erlös nicht dem eigenen Angehörigen, sondern nur der Gruppe als ganzer zugute. Diese Beträge sollte man lieber auf ein Konto einzahlen, damit der Angehörige nach seinem eventuellen Ausscheiden aus der Sekte eine finanzielle Basis für den Aufbau einer eigenen Existenz bekommt.
Auch wenn man ansonsten jeden engeren Kontakt mit den "sündigen" Eltern ablehnt, so gibt es da in Geldangelegenheiten eine Ausnahme: Hier informieren sich die Gruppenmitglieder sehr genau, was ihnen an Unterhalt zusteht und fordern das auch rigoros ein. Das Geld geht in der Regel in die Gruppe und dient auch dem sicher nicht billigen Unterhalt der Mercedes-Kleinbusse. Für die Eltern empfiehlt sich hier eine Rechtsberatung, um die Summen so gering wie möglich zu halten.
Da wir nicht Zeit und Stunde kennen, sollte man auch für den Fall des eigenen Todes mit einem Testament vorsorgen, dass nicht die Sekte in den Genuss des Erbes kommt. Vielleicht findet sich ein zuverlässiger und vertrauenswürdiger Verwandter oder Freund, dem man die Dinge erst einmal vermacht. Er verwaltet sie und übergibt sie dem Angehörigen nach dem Austritt aus der Sekte. Auch hier wäre eine Rechtsberatung zu empfehlen.
Am schwersten haben es sicher solche Betroffene, deren Angehörige (meist die eigenen Kinder) fest in der Gruppe eingebunden sind und zu denen kaum noch Kontakt besteht. In dieser Situation neigt man schnell dazu, dass sich alle Dinge und Gedanken nur noch um das Kind in der Sekte drehen.
Gerade hier (aber auch sonst) wäre den Angehörigen Mut zu machen, bewusst ihr eigenes Leben weiter zu leben. Auch wenn es leichter gesagt als getan ist: Der Konflikt mit der Sekte darf nicht alle Lebensbereiche überschatten. Wenn sie ihrem Kind bzw. Angehörigen helfen wollen, dann brauchen sie selber eine Basis, die ihnen Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Man kann schlecht helfen, wenn man sich ständig bedrückt fühlt und eigentlich selbst Hilfe bräuchte. Deshalb sollte gerade auch das normale Familienleben und der Kontakt zu Freunden und Bekannten in dieser Situation weiter gepflegt werden. Ebenso sind Aktivitäten, die einem das innere Gleichgewicht wiedergeben bzw. einmal vom Sektenproblem abschalten helfen (Wanderung, Konzertbesuch, Urlaub, Verein, Kirchenchor...) immer zu empfehlen.
Ziehen Sie auch rechtzeitig eine Grenze, wenn Sie feststellen, dass es Sie psychisch zu sehr belastet. Schützen Sie sich, und suchen Sie professionelle Hilfsangebote auf, wenn Sie es selbst nicht mehr vermögen oder im Zweifel darüber sind.
Nicht zuletzt aber wird jeder gläubige Angehörige wissen und darauf vertrauen, dass kein Mensch von der Liebe Gottes ausgenommen ist und aus seiner Hand fallen kann. Die Hl. Schrift bringt viele Beispiele, dass Gott auch in Situationen, wo wir keinen Ausweg mehr sehen, eine Tür öffnen kann. Deshalb sollte das beständige Gebet für den Angehörigen und die anderen Gruppenmitglieder einen festen Platz haben.
Welche
Probleme können bei ehemaligen Mitgliedern
entstehen?
Ausgestiegene Mitglieder haben mitunter große Schwierigkeiten, sich wieder im Alltag zurechtzufinden. Sie beschreiben das als regelrechte Entzugserscheinungen: Sie vermissen die Gruppe, das tägliche Bibellesen, den gemeinsamen, an der Bibel ausgerichteten Lebensstil. Ein ehemaliges Mitglied beschrieb das so: "Ich sterbe, mir fehlt alles!" Die meisten Mitglieder hatten vor dem Gruppenbeitritt größere Probleme: Das Leben erschien ihnen leer, sie waren enttäuscht von der Welt und auf der oft schmerzlichen Suche nach einem Sinn. Im Hinterkopf steckt deshalb der ängstigende Gedanke: "Wenn ich jetzt rausgehe, fängt alles wieder von vorn an." Mitunter führt das bis zu Selbstmordgedanken. Dazu kommen Angst und Schamgefühle: Zweifel, sich vielleicht doch geirrt zu haben und damit jetzt von Gott abgefallen zu sein; Schuldgefühle, weil man andere mit in die Gruppe hineingezogen hat. Man schämt sich für sein früher arrogantes Verhalten gegenüber Eltern, Freunden und Andersgläubigen, mitunter für seine Naivität, mit der man sich fangen ließ; empfindet sich als schuldig gegenüber Gott, weil man diesen falschen Weg gegangen ist.
Von der Gruppe selbst wird massiv psychischer Druck ausgeübt (siehe dazu den Brief an "abgefallene" ehemalige Mitglieder weiter hinten). Die Trennung von der Sekte wird den Abtrünnigen als Abfall von Gott und als Versagen aus egoistischen und anderen verwerflichen Gründen vorgeworfen, und es werden ihnen die zu erwartenden negativen Folgen prophezeit. Dem Ausgestiegenen bereitet es einige Mühe, die Haltlosigkeit der mit Bibelstellen gespickten und im ersten Augenschein überzeugend vorgetragenen Argumentation zu durchschauen. Da die Gruppe gute christliche Gedanken mit selbst in die Bibel hineininterpretierten Lehren mischt, ist es sehr schwer, das Gespinst von Wahrheit und Lüge zu entwirren. Die Gruppe versucht, unbedingt persönlichen Kontakt mit dem "abgefallenen" Mitglied herzustellen. Auch wenn jemand nach einigen Besuchen in der Gruppe keinen Kontakt mehr wünscht, meinen sie, dass andere Personen wie Eltern oder Verwandte den Kontakt gegen den Willen des Betroffenen blockieren. Die Gruppe drängt auf ein persönliches Gespräch, damit es der Betroffene ihnen selber sage. Nicht einmal Briefe werden akzeptiert (sie könnten ja unter Druck diktiert worden sein). Es kam dabei auch schon zu einer Falschanzeige gegen die Eltern eines ehemaligen Mitglieds. Dieses wollte keinen Kontakt mehr mit der Gruppe, während die Holic-Anhänger meinten, es würde gewaltsam von seinen Eltern festgehalten.
Ehemalige Mitglieder beschreiben es als besonders schwierig, sich vom Gedankengut der Sekte und ihren Vorschriften für das alltägliche Leben zu lösen, da auch dort Gutes und Bewahrenswertes mit Verdrehtem und Überspanntem gemischt ist. Sie waren regelrecht erstaunt, wie frei sie leben dürfen (in die Oper oder das Theater gehen, Musik genießen, fröhlich spielen, ins Kaffee gehen...). In dieser Phase brauchen sie verständnisvolle Hilfe von Freunden und Verwandten, die Ihnen das Befreiende des christlichen Glaubens erschließen, sowie deren begleitendes Gebet. Hier könnte auch ein durchaus ehrliches Überdenken stehen, welche in der Sekte praktizierten Dinge bewahrenswert und vielleicht für den alten/neuen Freundeskreis nachahmenswert sind. Z. B. könnte sich ein Bibelkreis zusammenfinden, der aber nicht entsteht, um gewisse Bedürfnisse des ehemaligen Holic-Mitglieds abzufangen oder ihn resistent gegen einen Rückfall zu machen, sondern der allen Beteiligten ein echtes Anliegen wird.
Auch wenn sich jemand von der Gruppe gelöst hat, empfindet er noch positive Gefühle für seine dort verbliebenen Freunde. Auch wenn er seine Kritik anbringt, möchte er doch nicht, dass von Außenstehenden übermäßig schlecht über diese Gruppe geredet wird.
Wie
kann ich betroffenen Angehörigen helfen?
Wenn Sie nicht selbst betroffen sind, aber im Verwandten- oder Bekanntenkreis Menschen haben, deren nähere Angehörige von dieser oder einer anderen Sekte geworben wurden, könnten die folgenden Hinweise zum Umgang mit betroffenen Angehörigen für Sie hilfreich sein. Diese Menschen leiden normalerweise neben den Auswirkungen der Sektenbindung ihres Angehörigen unter der Isolation, dass sie kaum jemanden finden, mit dem sie über dieses Problem reden können, ja dass sie eher spüren, wie sich die Umgebung von ihnen zurückzieht. Deshalb:
©
Gerald Kluge, Beauftragter
für Sekten und Weltanschauungsfragen im Bistum
Dresden-Meißen
E-Mail:
info@sekten-sachsen.de
aktualisiert: 22.9.07
URL der Originalseite: http://www.sekten-sachsen.de/holic-beschreibung-8.htm