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Die Holic-Gruppe
Wie lebt man in der Gruppe?

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"Die Gemeinde": Selbstbezeichnung  -   Der innere Aufbau   -   Gottesdienste   -   Äußere Lebensform   -   Außenkontakte   -   Strafen

Das einzelne Mitglied: Äußere Lebensform   -   Moralische Richtlinien   -   Kinder   -   Gemeinschaft statt Privatsphäre   -   Glaube und Lebensgefühl   -   Beziehungen zur Umwelt

Seitenanfang"Die Gemeinde"

Der Name bzw. die Selbstbezeichnung der Gruppe

Die Gruppe selbst gebraucht - wie schon erwähnt - für sich keinen Namen. Die Mitglieder bezeichnen sich einfach als "Christen", "wahre Christen" oder auch einfach als "die Gemeinde". Jede sonstige Bezeichnung oder Konfessionszugehörigkeit (evangelisch, katholisch, freikirchlich, anglikanisch ...) lehnen sie für sich ab. Untereinander sprechen sie von sich als "Geschwistern". Der Name "Holic-Gruppe" hat sich inzwischen unter Sektenbeauftragten und Betroffenen eingebürgert, um sie von anderen Gruppen, die sich ebenfalls Christen nennen, zu unterscheiden.

SeitenanfangDer innere Aufbau der Gruppe

Über die interne Organisation der Gruppe ist wenig bekannt. Nach eigenen Angaben gibt es bei ihnen keine organisierte Struktur und keinen Leiter. Allerdings schien der Gründer, Gottfried Holic, die langjährigen Mitglieder Josef Aufreiter, Gottfried P. und Franz K. sowie vor Ort die "älteren Geschwister" doch eine gewisse Führerfunktion auszuüben. Der Gehorsam "älteren Geschwistern" gegenüber macht den Einzelnen zu einem "entschiedenen Christen", denn durch diese Personen spräche der Heilige Geist. Von der Gruppe selbst wird allerdings erklärt, dass die Älteren Geschwister durch ihre größere Erfahrung beratend, aber nicht bestimmend mitwirken. Nach dem Ausschluss von Gottfried Holic scheint Josef Aufreiter eine führende Rolle in der Gruppe übernommen zu haben.

Nach Aussage der Gruppe gäbe es bei ihnen keine Regeln und Befehle. Treten Meinungsverschiedenheiten auf, dann werde in der Gruppe so lange diskutiert, bis alle einer Meinung sind. Schon kleine Zweifel werden in ausführlichen Einzel- oder Gruppengesprächen behandelt. Wer sich danach nicht fügt, hat mit eventuell harten Konsequenzen rechnen, die bis zum Verstoßen des Unbotmäßigen gehen können. Hier kann es dann doch zu erheblichem Druck durch die Gruppe kommen. Wirklich individuelle Entscheidungen werden im Laufe der Mitgliedschaft immer seltener.

Auch viele andere Dinge erfährt das Gruppenmitglied subjektiv als freiwillig. Z. B. ist es durchaus möglich, dass jedes Gruppenmitglied sein Konto weiterhin behält, auf das auch sein Gehalt fließt. Er versteht es aber nicht als sein Privateigentum, über das er nach Gutdünken verfügen kann, sondern setzt es natürlich für die Gruppe ein. So bezahlt heute einmal der eine den Einkauf, morgen dann ein anderer ... Bei großen Anschaffungen (Kleinbusse) wird dann zusammengelegt. Auch hier spürt man das Bemühen, möglichst keine festen Strukturen aufkommen zu lassen (jeder soll Verantwortung tragen, es soll nicht einer das Geld für alle verwalten).

SeitenanfangGottesdienste in der Gruppe

Eigene rituelle Handlungen oder Gottesdienste sind selten. Es gibt eine Art Taufe in der Gruppe, allerdings nicht mit der selben Bedeutung wie in den christlichen Kirchen. Die Taufe gilt als äußeres Zeichen der inneren Umkehr, sei aber nicht heilsnotwendig. Da das frühere Christsein eines Neugeworbenen bis auf wenige Ausnahmen in der Regel angezweifelt wird, ist die Wiedertaufe allgemeine Praxis. Sie wird von einem beliebigen Gruppenmitglied vollzogen, das der Täufling sich vorher aussuchen kann oder das die Gruppe ausgewählt hat. Die Taufe von Säuglingen ist dann möglich, wenn das Kind gläubige Eltern hat, die eine christliche Erziehung sicherstellen. Die Taufe geschieht durch vollkommenes Untertauchen oder Begießen mit Wasser meist in oder an einem See oder Fluss.

Seit einiger Zeit wird von ihnen auch eine Art Abendmahl als Gedächtnismahl gehalten. Hier können aber nur schon vollkommen entschiedene Mitglieder teilnehmen. Über den näheren Ritus ist bisher noch nichts bekannt; es soll allerdings recht selten gehalten werden. Die Gegenwart Jesu im Sakrament des Abendmahls wird im lutherischen Sinne (als wirkliche Gegenwart zum Zeitpunkt des Empfangs) verstanden, aber nicht weiter erklärt. Hier spürt man das schon oben angesprochene Desinteresse an theologischen Fragen, die nicht Lebenspraxis oder Gemeindeaufbau berühren.

Eine weitere gottesdienstähnliche Form ist die offene Beichte. Jeder bekennt dabei laut vor der versammelten Runde seine Verfehlungen. "So können wir einander ermahnen und helfen im Kampf gegen die Sünden. Wenn wir den Kampf gegen die Sünde aufgeben, geben wir das Christentum auf." Subjektiv fühlt sich das Gruppenmitglied dazu allerdings nicht gezwungen, sondern macht es freiwillig gern, um "alles miteinander zu teilen".

Einen großen Raum nimmt, wie schon erwähnt, das tägliche Treffen mit intensiven und langen gemeinsamen Bibellesungen ein. Es soll zum einen dem immer besseren Verständnis des Wortes Gottes dienen, zum anderen aber auch die Gemeinschaft untereinander stärken. Diese Treffen sind nach ihrem Verständnis der eigentliche Gottesdienst und bilden den Kern ihres Gemeinschaftslebens. Von der Form her sind sie eher frei gestaltet mit Bibelstudium, Gebet, geistlichem Gespräch und Singen. Eine Liedermappe mit verschiedenen geistlichen Liedern (vom Charakter her meist Lobpreisgesänge) wurde zusammengestellt, die bei den Treffen verwendet wird. Vereinzelt werden auch Instrumente beim Singen benutzt, allerdings nicht in der Form, dass man schon von Musizieren sprechen kann. Allein der Inhalt wird für wichtig gesehen, die äußere Form ist nebensächlich. So wird bei einem Lied mit eingängiger Melodie auch gemahnt, das Lied nicht nur wegen des Klangs zu singen.

Das Gebet geschieht bei diesen Treffen und auch sonst grundsätzlich gemeinsam; privates Gebet gilt als Abspaltung von der Gemeinschaft (es sei denn, das Mitglied ist in der Schule oder am Arbeitsplatz von der Gemeinschaft getrennt). Einen großen Raum nimmt dabei das freie und offene Gebet ein, bei dem jeder beteiligt ist. Ebenso beliebt sind Psalmenlesungen. Dazwischen werden dann Bibelworte gesprochen. Das Vaterunser wird nach Berichten ehemaliger Mitglieder nicht gebetet. Jesus hätte es nicht als Gebet verstanden, sondern es seien Gedanken, die zur Anregung des eigenen Gebets dienen sollen.

Gottesdienstliche Formen bei Hochzeiten, Beerdigungen, bei Krankheit oder dem Eintritt ins Erwachsenenalter (Firmung/Konfirmation) sind nicht bekannt. Vermutlich fehlte es bisher auch an den dafür notwendigen Anlässen.

Besondere Feiertage werden abgelehnt, seien sie privater (Geburtstag), staatlicher (1. Mai, Tag der deutschen Einheit) oder kirchlicher (Weihnachten) Natur.

SeitenanfangDie äußere Lebensform

Typisch für die Gruppe ist das Leben in kleineren Wohngemeinschaften, die untereinander engen Kontakt halten. Jede Woche treffen sich die Gruppen einer Region meist auf einem Parkplatz nahe der Autobahn. Diese Treffen wie auch die Wochenendfahrten zu den Niederlassungen im Ausland (Prag, Litauen, Österreich, Ungarn, Rumänien) sollen dazu dienen, die anderen Geschwister kennen zu lernen. Man geht viel wandern und spazieren, was den Mitgliedern große Freude bereitet. Oft wird auch direkt eingeteilt, wer mit wem spazieren geht, um sich durch die dabei recht intensiv geführten Gespräche kennen zu lernen.

Täglich trifft man sich - besonders auch mit denen, die noch nicht in der Wohngemeinschaft leben, - zu Gebet und Bibelstudium, wobei vor allem letzteres einen großen Stellenwert hat und viel Zeit in Anspruch nimmt. Überhaupt bemühen sie sich, möglichst viel Zeit gemeinsam zu verbringen. Private Dinge, auch das persönliche Gebet, werden als Sich-Entfernen von der Gemeinschaft missbilligt. Ebenso dürfen sich Ehepaare, die gemeinsam geworben wurden, in der Gruppe nicht abkapseln. Deshalb ist auch die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander sehr intensiv und von großer Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit geprägt, wenn auch bezweifelt wird, ob es echte persönliche Beziehungen gibt. Verstärkt wird dieses Gefühl der engen Gemeinschaft noch durch den Abbruch der Beziehungen zum bisherigen sozialen Umfeld. Der Prozess der Heiligung bedeutet für sie, sich von allen Ungläubigen und ihren Systemen abzusondern. Frühere Freunde, Verwandte, sogar die eigenen Eltern und Geschwister, gehören jetzt zur sündigen und satanischen Welt. Mit ihnen ist keine Gemeinschaft mehr möglich, weil man sich "geistlich nicht versteht". Ähnlich wie bei den Zeugen Jehovas wird dies u.a. mit Bibelstellen begründet wie "Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist" (1 Joh 2,15) oder "Beugt euch nicht mit Ungläubigen unter das gleiche Joch!" (2 Kor 6, 14). Durch diese Einschränkung der Außenkommunikation konzentriert man sich folglich mehr auf die Binnenkommunikation, die dann als sehr intensiv erlebt wird - was man auch bei vielen anderen Sekten beobachten kann.

Der Lebensstil in der Gruppe ist sehr einfach, auf alle in ihren Augen überflüssigen Dinge wird verzichtet, ja diese gelten bereits als sündig. Auch wenn die Kleidung ordentlich ist, so wird doch nur etwas gekauft, wenn es unbedingt nötig ist. Besonders modische oder in irgendeiner Form aufwändige (oder auffällige) Kleidung wird abgelehnt. Innerhalb der Gruppe lebt man in Gütergemeinschaft. Alle Dinge einschließlich der erhaltenen Weihnachts- und sonstigen Geschenke werden in der Gruppe geteilt. Trotz der meist geringen Verdienste können sie sich z. B. mehrere Kleinbusse für ihre Missionen kaufen. Über die Herkunft des Geldes wollten sie auf Nachfrage keine Angaben machen. Die Zulassung der Busse wird meist von den "älteren Geschwistern" geregelt.

Sie wandern gern (mitunter extrem lang) und sind überhaupt sehr naturverbunden. An den Wochenenden und im Sommer ist man teilweise bis spät in die Nacht in der Natur. Für manche ist es, obwohl es ihnen Freude macht, allerdings körperlich kaum zu ertragen, wenn sie in einem Beruf oder einer Ausbildung stehen, die frühes Aufstehen erfordern. Der Schutz der Umwelt spielt auch in ihren moralischen Vorschriften eine große Rolle (z. B. gilt Skifahren wegen der Umweltschädigung als sündig).

Ähnlich wie bei den Zeugen Jehovas werden sämtliche Feste abgelehnt, sowohl private (man feiere da sich selbst) als auch kirchliche (Gott soll ich jeden Tag danken, da braucht man kein extra Weihnachtsfest). Manchmal muss auch die Bibel herhalten, die ein bestimmtes Fest nicht erwähnt. Auch innerhalb der Holic-Gruppe gibt es keine besonderen Festtage. Ebenso wird in der Regel nicht an Familienfesten (und sei es der 65. Geburtstag des Vaters) teilgenommen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sie ihre eigene Lebensweise als den Willen Gottes proklamieren und verlangen, dass jeder diese Form übernimmt.

SeitenanfangDie Außenkontakte

Während der Phase des Hineinwachsens in die Holic-Gruppe beobachten Außenstehende deutliche Veränderungen im Kommunikationsverhalten des neuen Mitglieds.

Gesprächskontakte mit früheren Freunden und Verwandten werden auf das Religiöse reduziert. Wenn diese dann aber nicht selbst der Gruppe beitreten, kann der Kontakt ganz abgebrochen werden. In der Gruppe herrscht die Meinung vor, dass man demjenigen das Heil angeboten habe und er sich nun entscheiden konnte. Wenn er sich gegen die Gruppe entschieden hat, sei die Sache klar, und man brauche sich nicht mehr um ihn zu kümmern.

An weiteren Kontakten hat ein Holic-Anhänger kein Interesse: Zum einen wird gelehrt, dass sich wahre Christen von allen Sündern (dies wären alle, die nicht nach der Lebensweise der Holic-Gruppe leben) trennen müssten, zum anderen gewinnt das religiöse Element einen alles bestimmenden Platz im Leben und Denken. Andere Dinge (Hobbys, Familie, Schule, Politik, Kultur, Sport) erscheinen dem Holic-Anhänger als so nebensächlich, dass sich ein Gespräch darüber nicht lohnt.

In der Anwerbephase versucht die Gruppe noch, gegenüber der Familie des potentiellen Mitglieds ein günstiges Bild von sich zu vermitteln, um mögliche kritische Reaktionen zu vermeiden, welche die Anwerbung behindern könnten. Sie stellen sich als Freundesgruppe dar, die viel Zeit in der Natur verbringt und mit Gott leben möchte. Erst wenn das Mitglied später völlig unter ihren Einfluss gerät, werden die bisherigen Kontakte zu Menschen außerhalb der Sekte auf ein Minimum zurückgeschraubt bzw. gänzlich abgebrochen. Auch die rein menschlichen Beziehungen laufen vornehmlich innerhalb der eigenen Gruppe ab. Der Einzelne wird von der Gruppe dadurch um so abhängiger.

Begründet wird dies dann mit diversen Bibelstellen, wie z. B. 2 Kor 6, 14-18: "Beugt euch nicht mit Ungläubigen unter das gleiche Joch! Was haben denn Gerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemeinsam? ... Was hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen gemeinsam? Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Wir sind doch der Tempel des lebendigen Gottes; denn Gott hat gesprochen: Ich will unter ihnen wohnen und mit ihnen gehen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Zieht darum weg aus ihrer Mitte, und sondert euch ab, spricht der Herr, und fasst nichts Unreines an." Die Praxis Jesu, der sogar die von Pharisäern so kritisierte Mahlgemeinschaft mit Sündern hielt, wird von ihnen nicht beachtet oder dahingehend gedeutet, dass er es nur als kurzes Angebot zur Bekehrung getan habe, jedoch ansonsten keine längere Gemeinschaft mit ihnen gepflegt hätte.

Ein Christ, der sich nach dem Kontakt mit der Holic-Gruppe nicht bekehrt, ist für sie eigentlich noch schlimmer als ein Atheist, der die Botschaft so noch nicht vernommen hat. Der Christ, der sich nicht von "Irrlehrern" trennt, würde mitschuldig an der Verführung, die diese leisten, und richtet dadurch größeren Schaden als ein Atheist an. Mehrfach wurde beobachtet, dass Holic-Anhänger deshalb ungezwungener mit atheistischen als mit christlichen Verwandten umgingen.

Trotz dieses Feindbildes ist aber nicht zu erwarten, dass man von ihnen direkt betrogen wird. Wahrscheinlich würden Sektenmitglieder eher eine Antwort verweigern, als sich mit einer Lüge aus der Affäre zu ziehen. Jedoch sind Spitzfindigkeiten möglich, wo der Wortlaut an sich stimmt, aber die Aussage dennoch eine andere ist. Z. B.: Die Eltern möchten nicht, dass ihr Kind in den Ferien mit der Gruppe ins Ausland fährt. Der Sohn verspricht auch, die geplante Polenfahrt nicht mitzumachen - fährt allerdings dafür mit der Sekte nach Ungarn, das vom Versprechen nicht betroffen war.

Soziale Aktivitäten der Gruppe nach außen sind (wie auch bei anderen Sekten) nicht bekannt. Eher kann es dazu kommen, dass frühere soziale Aktivitäten (wie z. B. die Betreuung eines Behinderten) nach Beginn der Mitgliedschaft abgebrochen werden. Nächstenliebe wird definiert: "Was Nächstenliebe heißt, finden wir bereits im AT, in 3. Mose 19. Dort heißt es in V. 17: »Du sollst deinen Bruder in deinem Herzen nicht hassen. Du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld trägst.«" Liebe ist für sie "nicht irgendein undefinierbares Gefühl, sondern das konkrete Halten konkreter Gebote Jesu, die konkrete Hingabe des Lebens an Gott und an konkrete Brüder, mit denen wir in einer konkreten Gemeinde verbunden sind." Die selbstlose Hingabe sei nur gegenüber Mitgliedern der eigenen Gemeinde möglich. Ihr Dienst für die Mitmenschen außerhalb der Gruppe bestehe deshalb in der Mission.

Überhaupt steht das einzelne Gruppenmitglied unter einem großen Missionierungsdrang. Selbst in Schulklassen, am Arbeitsplatz und zu Anfang der Mitgliedschaft auch im Freundeskreis werden die Gespräch immer wieder auf das Thema Religion, Bekehrung, Leben nach der Bibel ... gebracht. Ehemalige Mitglieder erzählen, dass sich regelrecht auf Missionen freuten, weil sie dann einmal mit anderen (normalen) Leuten in Kontakt kamen. Allerdings hatten sie sich diese Motivation in der Zeit ihrer Sektenmitgliedschaft gedanklich nie eingestanden.

Für die mitunter ausgedehnten Fahrten zu den Missionen (meist im weiten Umkreis der eigenen Wohngemeinschaft, teilweise auch bis in die Länder der ehemaligen Sowjetunion) benutzen sie Kleinbusse. Dafür sollte jedes Mitglied einen Führerschein haben. Nach eigenen Angaben wurden die Kleinbusse gebraucht von Betrieben aufgekauft und von Holic-Anhängern in Litauen oder Ungarn (nahe Oroszlany) umgebaut. Das Geld dafür käme von den einzelnen Mitgliedern bzw. durch einzelne Geschenke der Eltern. Ebenso sind einige Mitglieder handwerklich sehr begabt. Auch wenn das vom geläufigen Erscheinungsbild der Gruppe her logisch klingt und keine anderen Geldquellen bekannt sind, stellen sich hier doch angesichts der Anzahl der Busse, des guten äußeren Zustandes und der respektablen Inneneinrichtung einige Fragen.

Die Kleinbusse sind so umgebaut, dass man darin auch schlafen kann. Das geschieht teilweise auch während der Fahrt, obwohl es eigentlich von der Straßenverkehrsordnung her verboten ist. Die Gruppe meint aber, dass sie auf ihren Missionen unter Gottes Schutz stände. 1999 kam es in Polen nahe Piotrków zu einem (von der Gruppe unverschuldeten) Unfall, bei dem ein Mitglied, das sich im hinteren Busteil aufgehalten hatte, ums Leben kam. Zwei andere überlebten schwerverletzt und ein Mitglied starb einige Zeit später. An der Praxis der Gruppe scheint dieses Ereignis aber nichts geändert zu haben.

SeitenanfangStrafen - der Ausschluss unbotmäßiger Mitglieder

Die Gruppe ist nicht bemüht, krampfhaft alle Leute zu behalten. Wer nach ihrer Meinung vom Glauben abgefallen ist, kann auch recht schnell ausgeschlossen werden. Dazu gehört in der Regel bereits, wenn man sich hartnäckig bestimmten Lebensregeln der Gruppe nicht unterwirft. Wenn jemand sündigt, habe er die Chance der Bekehrung. Begehe er aber danach die gleiche Sünde bewusst noch einmal, so gäbe es für ihn keine neue Gnade. Sie berufen sich dabei auf Hebr 6,4ff: "Denn es ist unmöglich, Menschen, die einmal erleuchtet worden sind, die von der himmlischen Gabe genossen und Anteil am Heiligen Geist empfangen haben, die das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt kennen gelernt haben, dann aber abgefallen sind, erneut zur Umkehr zu bringen; denn sie schlagen jetzt den Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz und machen ihn zum Gespött." Als bewusst Sündigen gilt dabei auch, wenn man die eigene Schuld nicht einsehen bzw. seine Handlung nicht als sündhaft anerkennen will - sich vielleicht sogar noch verteidigt.

Es gibt zwei Formen des Ausschlusses:

Der einfache Ausschluss findet statt, wenn jemand bewusst Sünden begeht , seine Schuld nicht eingesteht und sich nicht bekehren will. Diese hat aber noch die Chance der Bekehrung und der Rückkehr zur Gruppe.

Die "Entlassung" wird dann vorgenommen, wenn jemand von Gott abgefallen sei (oft mit einem eindeutigen Widerstand und heftiger Kritik gegen die Gruppe verbunden). Nach ihrer Ansicht handelt es sich dabei um eine sehr bewusste Sünde gegen den Heiligen Geist. Für einen "Entlassenen" gibt es keine Chance zu einer Rückkehr in die Gruppe.

Bei geringeren Vergehen werden einzelne Strafen verhängt. Allerdings wird dieser Begriff abgelehnt, sondern der Schuldige "trägt die Folgen seines Tuns". Wer z. B. gegenüber der Gruppe in einem Punkt unehrlich war, kann den Wohnungsschlüssel weggenommen bekommen, damit er seine Sünde versteht. Oder wer durch seinen Fahrstil sündigt, dem wird das Autofahren verboten.

SeitenanfangDas einzelne Mitglied

Die äußere Lebensform

Ein radikaler Lebensstil mit wenig Schlaf (wegen der vielen Missionsaktivitäten, langen Wanderungen und Bibellesungen) und mitunter ungesunder Ernährung herrscht vor. Auf Äußerlichkeiten (z. B. Kleidung) wird wenig Wert gelegt. Oft - besonders auf Missionen - wird irgendwo in Wohnwagen kampiert, was besonders für mitgenommene kleine Kinder sehr belastend sein kann.

Alle Dinge, die man nicht wirklich braucht, gelten als überflüssiger Luxus. Deshalb sind die Kleidung und die Zimmereinrichtung sehr einfach, ohne allerdings unordentlich auszusehen. Jedoch wirken die Wohnungen recht kalt und lassen eine gewisse Wohnlichkeit oder Gemütlichkeit vermissen.

Von früherem Besitz trennt man sich, meist wird er verkauft. Das trifft besonders auf vorher angeblich "vergötzte" Dinge zu (z. B.: CD's, Fernseher...). Von den Mitgliedern wird das als regelrechte Befreiung von hinderndem Ballast empfunden, den man nicht mehr brauche. Man will bewusst davon loskommen, damit man nicht mehr sein Herz daran hängt.

Die Mitglieder der Gruppe gehen meist einem Beruf nach, mitunter in Halbtagsbeschäftigung, um den Rest der Zeit für die Missionierung und die Gemeinschaft zu verwenden. Manche Mitglieder arbeiten nur einen Teil des Jahres und leben die restliche Zeit mit vom Verdienst der Mitglieder mit fester Anstellung. Gewisse Berufe oder Beschäftigungen werden allerdings abgelehnt. So darf man in der Regel nicht bei einem kirchlichen Arbeitgeber beschäftigt sein bzw. Tätigkeiten ausüben, in denen man ihrer Meinung nach gegen die Gebote Gottes verstoße. Dazu zählt z. B. auch das Gestalten einer Kaltwelle als Friseuse (Gott habe dem Menschen die Haare nun einmal so geschaffen, da solle man die Schöpfung nicht künstlich verbessern wollen) oder wenn man eine Stellung annimmt, in der man Untergebene hätte (ein Christ solle über niemand anderen herrschen). Einem Studenten wurde vorgeworfen, dass er Chemie studiere und so kaum in der Lage sei, "unterste" Positionen einzunehmen. Auch zu starkes Engagement in Beruf oder Schule/Ausbildung gilt als sündhaft. Damit würde man dem eigenen Hochmut und egoistischen Bestrebungen (eigene Pläne gegenüber dem Dienst für Gott verfolgen) verfallen.

SeitenanfangMoralische Richtlinien, die das Leben bestimmen

Die moralischen Vorschriften sind recht rigoristisch und lassen dem Einzelnen wenig Entfaltungsfreiraum für die eigene Lebensgestaltung. Teilweise werden alltägliche Verrichtungen hinterfragt, ob sie nicht eventuell Sünde sein könnten (siehe z. B. das obige Beispiel der Friseuse).

Auch gelten z. B. schon Genussmittel (Rauchen, Alkohol, Kaffee, Tee, Eis, mitunter Süßigkeiten) ebenso als Sünde wie Unterhaltung oder die Beschäftigung mit einem Hobby (Musik, Garten...). Die Musik wird zwar ab und an bei den gottesdienstähnlichen Zusammenkünften gepflegt, allerdings "darf man die Musik nicht vergötzen", wozu auch schon eine intensivere Beschäftigung in der Freizeit zählt. Sogar zuviel Waschen sei Sünde, da dadurch die Haut geschädigt werde. In dieser Hinsicht sind sie recht wissenschaftsgläubig. Wird eine Lebensweise von Medizinern als ungesund dargestellt, so gilt sie automatisch als Sünde. Einige Verbote (z. B. Verzehr von Süßigkeiten, Kaffee...) haben hier ihre Ursache. Großer Wert wird deshalb auf die Gesundheit als sittliche Aufgabe gelegt, ohne dass der Leib aber "vergötzt" werden dürfe.

Und selbstverständlich offenbare das Anzweifeln von Lehraussagen der Gruppe erst recht einen sündhaften Geist. Die bewusste Wiederholung einer bestimmten Sünde gilt als Unglaube und kann Grund für einen Ausschluss sein.

Die Sexualität sehen sie mehr als zu vermeidendes Geschehen an. Sexualität sei eine Zweierbeziehung und damit egoistisch. Sie sei ein Absondern von der Gemeinschaft. Auch geschehe sie auf der körperlichen Ebene, während die Beziehung zwischen den Menschen doch vor allem eine geistige sein solle. Außerdem sei es ein Geschehen, das sich nur zwischen Menschen abspielt, wo Gott keine Rolle spielt. Und schließlich gebe es derzeit wichtigere Dinge (wie das Missionieren) zu tun. Deshalb herrscht in der Gruppe ein eheloser Lebensstil vor. Die von einem Mitglied geäußerte Meinung, dass die Enthaltsamkeit wegen des nahen Weltendes geschehe, ist wohl nicht die allgemeine Auffassung der Gruppe.

Seit Ende der 90er Jahre scheint die Hauptbegründung für die Ablehnung von Sexualität in die Richtung zu laufen, dass die Gründung einer Familie die Mission zeitlich beeinträchtige. Die Pflichten einer Ehe nähmen einen zu sehr in Anspruch als dass man sich mit seinem ganzen Leben Gott hingeben könnte. Angesichts der wenigen wirklichen Christen sei eine Familiengründung deshalb egoistisch, weil sie vielen "Hilfsbedürftigen in der Welt" die Chance entziehe, die "Wahrheit" kennen zu lernen.

Dies führt in der Gruppe zu einem sehr verkrampften Umgang mit Sexualität. So genannte "Sünden" im sexuellen Bereich sind (vor allem bei den Männern in der Gruppe) ständig Thema bei den Sündenbekenntnissen und häufig ein Grund für den Ausschluss. Eine ehemaliges Mitglied berichtete, dass aus den Büchern, die in den Gemeinschaftswohnungen stehen (z. B. Lexika), die Bilder herausgeschnitten werden, die auch nur entfernt einen sexuellen Inhalt vermuten lassen.

Die Beschäftigung mit Hobbys (z. B. Musik) gilt ebenfalls als schlecht, weil man damit Zeit vertue, die man für die Mission hätte verwenden können, oder die entsprechende Sache vergötzt. Mit einem Hobby diene man sich selbst und nicht Gott.

Ihre Lebenseinstellung ist von dem ständigen Bemühen getragen, sich als die Gruppe der wirklichen, der reinen Christen beweisen zu müssen. So wird das strenge Befolgen angeblich aus der Bibel erkannter Normen zu einem Beweis für die eigene Überlegenheit. Von daher wird die eigene Handlungsweise ständig hinterfragt, ob sie erlaubt oder Sünde sei (z. B.: mit den Kindern fröhlich spielen, sich mit jemanden im Kaffee treffen ...). Ähnlich wie bei den Zeugen Jehovas kann man eine gewisse Freude beobachten, bestimmte "Gebote" in der Bibel "gefunden" zu haben, welche nur sie befolgen und wodurch sie sich bereits in der Lebensweise von allen anderen unterscheiden.

SeitenanfangDer Umgang mit Kindern in der Gruppe

In der Gruppe gibt es nur sehr wenig Kinder. Da sie nach den bisherigen Erkenntnissen sexuell enthaltsam leben, geraten nur dann kleinere Kinder in die Gruppe, wenn ihre meist jungen Eltern (in der Regel Anfang 20) beitreten. Die Kindeserziehung ist sehr rigoros und stark auf Disziplinierung ausgerichtet. Nach ihrer Meinung müssen auch Kinder und sogar Säuglinge stets gehorchen. Die Eltern sind deshalb meist recht streng. Was sie sagen, muss gelten. Hier steht der Gedanke dahinter, dass sich auf diese Weise schon das Gottesbild formt. Gott ist ja unser Vater. Und wenn Kinder sich angewöhnen, Mahnungen der Eltern nicht so ernst zu nehmen und zu überhören, dann könnten sie eventuell später auch Gott nicht so ernst nehmen und seine Gebote übertreten. Außenstehende fragen sich hier allerdings, wie dieses auf Befehl und Gehorsam ausgerichtete Gottesbild mit dem Bild des liebenden Vaters, das uns Jesus verkündete, zu vereinbaren ist.

Bei den Kindern wird schon sehr viel Verstand vorausgesetzt. Viele ihrer Handlungen werden hinterfragt, was sie in Gedanken damit wohl beabsichtigen oder meinen. Zum Beispiel müssten schon kleinste Kinder wissen, dass das Bibelstudium der Mutter eine sehr wichtige Sache ist. Wer hier durch Quengelei stört, zeige seine Bösartigkeit. Da die Eltern genauso in den Ablauf der Gruppe (Bibellesen, Missionieren) einbezogen werden, sind die Kinder oft anderen Gruppenmitgliedern anvertraut. Im Prinzip werden sie von allen erzogen, da auch die Abgeschlossenheit einer Familie dem Gemeinschaftsgedanken widerspräche. Auch hier ist das ständige Bemühen zu spüren, in der Erziehung nichts falsch zu machen (was schon als Sünde gilt) und jeden Schritt mit den Kindern untereinander abzusprechen. Gerade bei der Kindererziehung gibt es oft Meinungsverschiedenheiten, was der richtige Weg sei. Ein unbeschwerter Umgang ist recht selten, sondern es wird ständig hinterfragt, ob auch alles richtig gemacht wird. Dennoch erfahren die Kinder auch Herzlichkeit, wird mit ihnen gespielt und herumgealbert. Allerdings wurde eine Mutter auch schon einmal kritisiert, dass sie mit ihrem Kind zu warmherzig umgehe. Auf die Missionen und Wochenendwanderungen werden die Kinder in der Regel mitgenommen und schlafen dann in den Kleinbussen. Wenn sie krank sind, bleibt aber in der Regel jemand (nicht unbedingt die eigenen Eltern) mit ihnen zu Hause. Allerdings wurde auch hier schon das Gegenteil beobachtet, dass eine Mutter den hochgradig fiebernden Säugling mit der Versicherung auf die Missionsreise mitnahm: "Gott will, dass Du mitfährst, er wird den Kleinen schon beschützen."

SeitenanfangGemeinschaft statt Privatsphäre

Das eigentlich Wichtige ist die Gemeinschaft. Wer wirklich Christ werden will, muss sein ganzes Leben mit der Gruppe teilen. Dadurch werden Beruf, Freunde und Familie nebensächlich.

Partnerbeziehungen werden (aus den oben geschilderten Gründen) systematisch unterbunden. Zentrales Ziel ist neben der "reinen" Lebensweise die Mission, der sich alles unterzuordnen habe. Außerdem werden intensivere private Beziehungen oder auch das Bestreben, einmal allein zu sein, als Aufspalten der Gemeinschaft und damit als sündig bewertet. Dazu zählt sogar schon das Gebet oder Bibellesen, welches im privaten Rahmen unerwünscht ist, und nur gemeinsam in der Gemeinde geschehen soll.

Nach außen wirkt die Gruppe recht kalt. Auf Diskussionen in anderen christlichen Gemeinschaften (z. B. Bibelkreisen) machen sie einen lieblosen, unbarmherzigen und fanatischen Eindruck. Wie Aussteiger berichteten, ist die abweisende und kaltherzige Haltung z. B. den Eltern gegenüber vor allem bei Neulingen aber oft vorgetäuscht, um dadurch diese oder andere "zur Umkehr zu bewegen" bzw. um die Distanz zu den in die sündige Welt Verstrickten aufrechtzuerhalten. Manchmal ist es auch ein Schutzschild, um sich nicht durch eigene Gefühle (z. B. der Zuneigung zu den Eltern) überwältigen zu lassen. Innerhalb der Gruppe sei schon eine herzliche Wärme gegeben, die aber nach außen kaum durchscheint. So sind sie auf den Treffen am Wochenende auch recht ausgelassen, tollen umher und balgen sich auf kindliche Weise (in ihrem Sprachgebrauch "raufen"). Bei den größeren Treffen werden dafür direkt bestimmte Zeiten eingeplant. Von den Mitgliedern wird dies als sehr wohltuend und befreiend erfahren, wo man manche Spannungen abbaut und Körperkontakt erfährt. Allerdings wirken sie untereinander auch sehr belehrend, um den anderen auf eine mögliche Sünde hinzuweisen. Ebenso wurde eine übertriebene formale Höflichkeit beobachtet (ständig "Bitte" und "Danke"; ein genaues Achten auf die Worte, die man miteinander spricht), um hier nicht zu sündigen. Vermutlich braucht man bei dieser dauernden Angespanntheit im Alltag die Wochenendausflüge zum geistigen und emotionalen Ausgleich.

SeitenanfangDer Glaube und das Lebensgefühl eines Sektenmitglieds

Der Einzelne fühlt sich Außenstehenden gegenüber durch seine Zugehörigkeit zur "wahren Gemeinde" überlegen, was sich im entsprechenden hochmütigen Auftreten - natürlich bei den einzelnen Mitgliedern je verschieden ausgeprägt - niederschlägt. Innerhalb der Gruppe wird er eher zu einem demütigen Leben der Selbstverleugnung aufgefordert (sowohl Demut als auch Selbstverleugnung und Gehorsam sind Zentralbegriffe der Gruppe). Ein Christ müsse sich von anderen Christen gern zurechtweisen lassen.

Der Glaube wird zumeist reine Verstandessache und ist nicht mehr gleichzeitig Herzenssache. Ihre Vorstellung eines idealen Christen wird sehr vom genauen Befolgen der angeblich aus der Bibel erkannten Gesetze und dem ständigen (Missions-) Einsatz, also einem sehr starken Leistungsdruck geprägt. Ehemalige Mitglieder meinten: "Deine persönliche Beziehung, deine Liebe zu Christus wird in der Gruppe immer kleiner und hört dann ganz auf. Aber man spürt das gar nicht, dass man nicht mehr an die Gnade Gottes glaubt." Etwas salopp könnte man als Motto formulieren: "Immer im Dienst und keine Gefühlsduselei!" Insgeheim scheint ein Holic-Mitglied sogar Angst vor wahren Gefühlen zu haben, denn diese kann er nicht so kontrollieren. Er freut sich zum Beispiel innerlich unbewusst über den Besuch eines Verwandten - weil es gute Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse gibt bzw. weil er sich einfach freut, dass jemand ein Interesse an ihm hat und sich herzlich und liebevoll um ihn müht. Dieses Gefühl erlebt das Sektenmitglied aber als Bedrohung, denn eigentlich gehört der Verwandte ja zur sündigen Welt und müsste abgelehnt werden. So flüchtet man sich gern in die Rationalität und versucht, vor allem auf der logischen Ebene der Gedanken bzw. der Lehre zu agieren. Nach außen erscheint man kalt und abweisend.

Der Einsatz für Gott (Bibel lesen, Mission und gemeinsames Gebet) hat absoluten Vorrang, dem alles andere unterzuordnen ist. Gern wird dabei der Satz zitiert: "Kauft die Zeit aus!" (Eph 5,16 bzw. Kol 4,5). Damit verbunden ist auch eine ab und an aufbrechende Angst, nicht für das Reich Gottes geeignet zu sein. Entsprechende Bibelstellen (z. B.: Lk 9,62: "Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.") gewinnen große Bedeutung. Diese auch schon bei der Mitgliederwerbung erzeugte Angst ("Was ist, wenn du jetzt plötzlich stirbst?") tritt zwar nicht immer offen zutage, steht aber ständig unbewusst im Hintergrund. Der Lebensinhalt besteht für sie im Gehorsam, diesen Lebensstil bis ans Ende durchzuhalten.

Das Leben ist durch eine große Ernsthaftigkeit geprägt. Man bemüht sich ständig, richtig zu handeln und hinterfragt deshalb auch alltägliche Verrichtungen. Ebenso macht man sich viel Gedanken über das Reden. Die Wortwahl wird genau beobachtet und "unnütze" Wörter bzw. Rede werden gemieden. Auf Außenstehende macht es dadurch den Eindruck als würde hier wie auswendig gelernt gesprochen. (Dies hat allerdings auch seinen Grund bei den in der Gruppe gebrauchten stereotypen Argumenten bei bestimmten Anfragen.) Der Humor nimmt allgemein etwas ab. Man lacht zwar noch in einer komischen Situation, aber es werden z. B. keine Witze mehr erzählt.

Trotz der Herzlichkeit in der Gruppe und der Euphorie, die das Elitebewusstsein hervorruft, und des durch die Gewissheit der Auserwählung entstandenen inneren Friedens wird das Leben von ehemaligen Mitgliedern doch als recht traurig geschildert. Viele Dinge, die Freude machen (Musik, Konzertbesuch, Hobby, persönliche Freundschaften, Privatsphäre, der Verzehr bestimmter Genussmittel...) sind verboten, der Lebensstil ist recht anstrengend und kräftezehrend und durch ihre Betonung des einfachen Lebens wirken die Unterkünfte der Wohngemeinschaften kalt und lieblos. Ein ehemaliges Mitglied drückte es so aus: "Das Leben ist fast eine Strafe, bis man im Himmel ist. Woran darf man sich denn freuen? Was ist wirklich sinnvoll?"

SeitenanfangDie Beziehungen zur Umwelt

Von der Umgebung kapselt man sich radikal ab, auch die Beziehungen zu Verwandten, die nicht in der Sekte bzw. nach ihrer Lehre mitleben wollen, werden stark eingeschränkt oder abgebrochen. Das kann auch dahin führen, dass Ehen aufgespalten werden, wenn der Partner nicht mitmachen will. In Prag wurde eine Mutter nach Berichten ehemaliger Mitglieder sogar dazu gedrängt, ihre minderjährigen Kinder zu verlassen, um ganz in der Gruppe leben zu können. Ehemaligen Freunden und Verwandten begegnet man sehr kalt und abweisend, was aber mitunter auch gespielt ist, um die anderen "zur Umkehr zu bewegen". Im Inneren schmerzt den Holic-Anhänger ein derartiges Verhalten dennoch ab und an. Er wird aber dazu angehalten, das nicht nach außen zu zeigen: "Du darfst nie deine Gefühle anderen zeigen." (Zitat Gottfried P.). Abgelehnt wird auch der bisher normal übliche Körperkontakt wie Umarmen oder Drücken. Diese Mauer, die sie um sich errichten, stellt eine Art Selbstschutz dar, um (wie oben geschildert) nicht wieder durch die dabei aufkommenden Gefühle schwankend gemacht zu werden. Tröstend klingt in ihren Ohren dabei die Verheißung: "Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben." (Mk 10, 29f) Durch die Erfahrung der Gemeinschaft in der Gruppe fühlen sie dieses Versprechen an sich bestätigt.

Diese Distanz zur sündigen Umwelt findet anscheinend manchmal dort ihre Grenze, wo es ums Geld geht. Anhänger, die ansonsten jeden engeren Kontakt mit den Eltern ablehnen, scheuen sich mitunter nicht (teilweise von den "Älteren Geschwistern" gedrängt), recht massive Forderungen nach Unterhaltszahlungen zu stellen. Auch wenn sich ein Gruppenmitglied z. B. weigerte, beim Begräbnis eines Verwandten zu erscheinen (er hat sich ja trotz des Missionierungsversuches nicht für die "Wahrheit" entschieden), so kam dann doch nachher die Frage, ob man denn etwas von ihm geerbt habe. Ebenso machen Verwandte mitunter die Erfahrung, dass der Kontakt mit ihnen nur dann gesucht wird, wenn man Geld oder andere materielle Dinge haben möchte.

Frühere Aktivitäten, wie z. B. das regelmäßige Spiel in einem Instrumentalkreis oder soziale Aktivitäten für Behinderte, werden abrupt beendet. Begründet wird dies mit der Abkehr von der sündigen Welt und weil man sich mit diesen anderen Menschen "geistlich nicht mehr versteht". Die Außenkontakte sind vor allem auf die Mission und Mitgliederwerbung ausgerichtet.

Bisherige menschliche Beziehungen werden völlig negiert. Man hätte für die eigenen Verwandten keine größere Verantwortung als für alle anderen, dürfe sie also nicht vorziehen.

Die sie umgebende Umwelt wird für Holic-Anhänger zunehmend uninteressanter (Freunde beschreiben es als "geistige Abwesenheit"), das Denken und Reden dreht sich zunehmend um den Glauben oder die Bibel, in der auch ständig gelesen wird. Ein Gespräch außerhalb dieses engen Themenfeldes fällt sehr schwer. Bei der Diskussion über religiöse Fragen fallen sie durch Fanatismus und Intoleranz auf. Alle anderen bisherigen Lebensziele und Aktivitäten des Einzelnen verblassen hinter dem Anspruch der Gruppe. Da sich die Umwelt durch das zunehmend arrogante Verhalten des Sektenmitglieds in der Regel von diesem abzuwenden beginnt, wird es um so stärker wieder auf die Gruppe fixiert.


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© Gerald Kluge, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen im Bistum Dresden-Meißen
E-Mail: info@sekten-sachsen.de

aktualisiert: 24.11.01

URL der Originalseite: http://www.sekten-sachsen.de/holic-beschreibung-5.htm

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