Home -->
Spezial --> Anne-Botschaften
- Was sind die Anne-Botschaften?
- Wie hat sich das entwickelt?
- Welche Inhalte haben die "Botschaften"?
- Wie läuft eine solche "Offenbarung" ab?
- Wer fühlt sich vor allem angesprochen?
- Was hat es mit der Trennung von den Kindern auf sich?
- Wie steht die traditionalistische Bewegung
dazu?
- Welche Indizien sprechen gegen eine Echtheit
der "Botschaften"?
- Ist es ein Betrug?
- Ist es eine Sekte?
- Wo finde ich weitere Informationen?
Was sind die Anne-Botschaften?
Seit 2004
tritt eine Frau Annegret Mewis (geb. 1941) in Göttingen (und
zwischenzeitlich auch an anderen Orten)
mit dem Anspruch an die Öffentlichkeit, Botschaften von Jesus, Maria und Gottvater zu
empfangen. Diese verbreitet sie in ihrem Anhängerkreis und über das Internet.
In den "Botschaften" und der Rede ihrer Anhänger taucht sie in der
Regel nur mit ihrem verkürzten Vornamen "Anne" auf.
Wie hat sich das entwickelt?
Nach
der auf ihrer Homepage zu findenden Kurzbiographie soll sie schon im Alter von 6
Jahren erste Visionen gehabt haben. Im Zuge einer schweren Erkrankung im
Erwachsenenalter erbat sie sich göttliche Hilfe (1983) und meinte daraufhin von
Gott-Vater angesprochen worden zu sein. Sie schloss sich dann der Schönstatt-Bewegung
(1989) an. Später bewegte sie sich vor allem im traditionalistischem Umfeld,
besonders dem der Priesterbruderschaft
St. Pius X.
Nachdem sie mit ihren Botschaften in die Öffentlichkeit
getreten war, kam es bald zu Konflikten mit Priestern und kirchlichen
Einrichtungen, in denen sie aufgetreten war. Mehrere sprachen daraufhin
Hausverbote aus. Dem 82-jährigen Priester, der sich ihr angeschlossen hat,
wurden ihm Raum der kath. Kirche priesterliche Befugnisse entzogen. (In den
"Botschaften" erscheint er als Gottes "Priestersohn Rudi".) Nachdem die
"Botschaften" vor allem an Marien-Wallfahrtsorten (Heroldsbach), bei
Gemeindegottesdiensten und in traditionalistischen Kirchen verkündet wurden,
ist die Gruppe später auf private Hauskapellen in Häusern von Anhängern
ausgewichen. Solche bestehen bzw. bestanden in Duderstadt (bis 2008), Göttingen, Gestratz
(bis Ende 2008), Göritz,
Euskirchen und Bad Hersfeld. Viele Sympathisanten aus dem traditionalistischen Umfeld haben sich
inzwischen von Frau Mewis und ihrer Gruppe wieder abgewandt.
Als Reaktion darauf
scheint sich die Gruppe zu radikalisieren. Es tauchen Botschaften auf, die zur
Trennung von Kindern auffordern, die diesen Weg nicht mitgehen bzw. überhaupt
die Distanz gegenüber "modernistischen" Menschen anmahnen. (näheres
s.u.) Weiterhin scheint die Gruppe auf die Gründung einer eigenen
"Kirche" hinzusteuern.
Ursprünglich gab Frau Mewis als Absender der
"Botschaften" vor allem Jesus und auch Maria an. Seit April 2008
kommen die "Botschaften" nach ihren Angaben von Gott-Vater. Vereinzelt sollen
auch "Botschaften" von verschiedenen Heiligen (Hl. Pater Pio, Hl.
Joseph) kommen.
Ende 2008 muss es (wohl vor allem aufgrund finanzieller
Forderungen) zu internen Spannungen gekommen sein. In der Folge davon gingen die
meisten der oben genannten Hauskapellen den Mewis-Anhängern verloren. In den "Offenbarungen"
findet sich seitdem
als Ortsangabe nur noch "Göttingen" (und am 4.5.20 Opfenbach bei
Wigratzbad), was darauf rückschließen lässt, dass die
Gruppe auf einen kleinen Kern um die "Seherin" geschrumpft ist. Bei
diversen Beobachtungen wurden 2009 nie mehr als 10 Personen gezählt. Ab Mitte
2010 taucht auch wieder eine "Hauskapelle in Göritz im Allgäu" (Opfenbach)
als "Offenbarungsort". 2011 wird auch von einzelnen Anhängern in
Österreich berichtet.
Trotz der Ablehnung von Seiten der
traditionalistischen Pius-Bruderschaft wurde diese in den Botschaften immer
wieder als ideale Verkörperung der richtigen katholischen Tradition gesehen.
Das änderte sich Mitte 2009. In der "Botschaft" vom 21.6.09
geht man auf Distanz zur Pius-Bruderschaft, was sich schon in früheren "Botschaften" angekündigt hatte. Statt dessen wird jetzt das "Institut
Christus König und Hoherpriester" hervorgehoben: "Da Meine
geliebte Piusbruderschaft sich immer mehr von Mir, dem Himmlischen Vater,
absetzt und Mir den Ungehorsam beweist, habe Ich Mich, als Himmlischer Vater,
diesem Institut Christus König und Hoherpriester zugewandt. Dieses Mein
Institut wird euch vorgestellt als etwas ganz Großes. Was Ich von all Meinen
Priestern eigentlich verlangen könnte, das wird dieses, Mein Institut, völlig
in Meinem Geiste und im Heiligen Geiste erfüllen." (21.6.09) [Bei
diesem Institut, das sich selbst natürlich auch von den Anne-Botschaften
distanziert, handelt es sich um eine traditionalistische, allerdings im
Unterschied zur Pius-Bruderschaft mit Rom verbundene Gemeinschaft innerhalb der
Römisch-Katholischen Kirche.]
Seit Ende 2010 spielt auch das Rasenkreuz in
Meggen (Allgäu) eine gewisse Rolle unter den Anne-Anhängern. (Info
in der Wikipedia)
Welche Inhalte haben die "Botschaften"?
Sie
bewegen sich größtenteils (wenn auch etwas radikalisierter) in den Denkstrukturen
der traditionalistischen Bewegung:
- Die Verurteilung der "modernistischen" und
"verweltlichten" Kirche und ihrer Priester und Bischöfe. Als
Radikalisierung wird behauptet, dass Christus seit dem 27. April 2008 nicht mehr in ihren Kirchen
und Tabernakeln gegenwärtig sei. In der Botschaft vom 15.8.09
wird das noch einmal zugespitzt: "Denn wer ist in diesen Tabernakeln
gegenwärtig, wenn Mein Sohn nicht mehr in diesen Tabernakeln vorhanden ist?
Nur der Teufel kann dort gegenwärtig sein."
- Eine Glorifizierung der tridentinischen Messe als allein möglicher
Messform: "...meine Heilige Opfermesse im Tridentinischen Ritus gefeiert wird, so wie es Mein Wunsch ist." (31.8.08)
"Mein Heiliges Tridentinisches Opfermahl wird sich nun in großer Schnelligkeit auf der ganzen Welt verbreiten." (13.7.08)
- Verurteilung der Ökumene
- Weltverschwörungstheorien über freimaurerische Pläne zur
Zerstörung der Kirche: "Sie (die Kirche) wird von freimaurerischen
Mächten und Kräften zersetzt in der ganzen Welt, ganz besonders in
Deutschland." (6.9.08)
- Betonung von im traditionalistischen Umfeld beliebter Heiliger: Pater
Pio, Schwester Faustina
Einige Besonderheiten sind:
- soziale Isolation der Anhänger: Trennung von allen
Nicht-Anhängern (siehe ausführlich: hier)
- Bestätigung und Würdigung der "Seherin Anne": "Ich,
der Himmlische Vater, spreche in diesem Augenblick durch Mein williges,
gehorsames und demütiges Werkzeug und Kind Anne. Sie liegt in Meiner vollen Wahrheit und spricht nur Worte, die von Mir sind." (31.8.08)
- Diese Eingangssätze mit der schon titelhaften, mit drei Attributen
geschmückten Anrede tauchen nahezu wortgleich in fast jeder Botschaft auf.
- Betonung der besonderen Stellung der Anhänger: "meine auserwählten Kinder"
- Ermutigung der Anhänger und Kompensation der geringen Anhängerzahl: "ihr, die kleine
Schar,
werdet das Weltbild und das Kirchenbild verändern. " (31.8.08) "Es
werden sich noch mehr von euch abwenden. Doch glaubt daran, dass es die
Wahrheit ist. Nur eine ganz kleine Schar wird übrig bleiben und den Weg des
Himmlischen Vaters gehen in der Gänze und in der Konsequenz."
(12.6.09)
- Gehorsam: "Befolgt jeden Schritt, den Ich euch auftun werde, durch Mein williges Kind Anne. " (31.8.08)
- Baldige Wiederkunft Christi: "Doch nicht sehr lange, Meine Kinder, wird dies anhalten, denn Ich, in Meiner großen Allmacht, werde kommen." (31.8.08);
"Achtet auf jeden Schritt, den Ich euch kundtun werde in dieser
allerletzten Phase." (1.5.09)
- Kritik an und Drohbotschaften gegen "modernistische"
Priester und Ablehner der "Anne-Botschaften": "Eine ganze Gemeinde hat er in die Irre geführt und sie verwirrt. Sie erkennen nicht mehr Meine Wahrheit. Der Böse ist eingekehrt und mit ihm halten die Gläubigen diese Mahlgemeinschaft. Er hat seinen Triumph hier errungen. Doch nicht sehr lange, Meine Kinder, wird dies anhalten, denn Ich, in Meiner großen Allmacht, werde kommen."
(31.8.08)
- Aufforderung zu Absagen an das Böse und Vertrauen auf Gott und sein Wort durch Anne:
"Bleibt Mir treu und wehrt den Bösen ab. Widersagt dem Bösen in allem. Auch er möchte euch immer wieder abbringen von eurem tiefen Glauben."
(31.8.08)
- Gründung einer eigenen Gemeinschaft: "Meine Auserwählten, die ihr in der Gründung Meiner 'Neuen Kirche' steht."
(25.5.08)
- Kleidungsvorschriften: "Meine geliebten Kinder, die Himmlische Mutter fragt euch, warum ihr euch immer noch mit Beinkleidern schmückt. Als Marienkinder seht ihr mit Röcken vorteilhafter aus. Die frauliche Note bietet immer nur der Rock. Schaut auf eure Botin. Sie kleidet sich nur edel, wie es Meine Himmlische Mutter wünscht."
(12.5.08)
- Unheilsankündigung: "Es wird Schlimmes über die ganze Menschheit kommen. Deswegen schaut Meine Mutter heute so traurig. Sie schaut das ganze Leid der Welt. " (15.5.08)
- Verfolgungswahn: "So konsequent wie noch nie habe ich Meine
Botin Anne vorbereitet. Sie kennt nur die eine Wahrheit, und Ich gebe in
voller Fülle diese Wahrheit durch sie ins Internet. Man wird sie verfolgen,
ja, man möchte sie umbringen, ermorden, damit es diese Einzige Kirche nicht
geben kann. Man möchte sie völlig zerstören." (4.1.09)
- interne Säuberungsaktionen: "Wie ihr heute festgestellt habt, werde Ich alles von euch abtrennen, was nicht in dieser Heiligkeit liegt. Eine Person musste diesen Raum vor der Hl. Messe verlassen." (18.5.08)
- Immunisieren gegen Kritik: "Entwickelt keine Ängste, dass es nicht der Wille des Himmlischen Vaters sein könnte. Lasst euch leiten und führen. Ihr habt euch für diesen Weg entschieden. Ihr werdet nicht hirtenlos bleiben." (12.6.08)
- Übereignung der materiellen Güter an die
Gemeinschaft: Zumindest legt folgende "Offenbarung" vom
25.12.08 diese Vermutung nahe: "Bleibt Mir treu, denn Ich bin es
gewesen, der euch in der Ganzhingabe, in dieser Gemeinschaft, zum
Rechtsanwalt geführt hat, um dieses Testament der Gemeinschaft zu
erstellen. Damit habt ihr bekundet, dass all euer Finanzielles Meine Sache
ist. Es gehört nicht euch, es gehört Mir. Ich werde es einteilen und Ich
werde es für euch verwalten. Ihr seid die kleinen Werkzeuge, die den Mammon
aufgegeben haben und dafür Mich gewählt haben. Ich möchte Mich bei euch
bedanken für diese Wahl, die ihr großzügig für Mich getroffen habt.
Alles sind Geschenke an Mich gewesen." (nachzulesen hier)
Wie läuft eine solche
"Offenbarung" ab?
Genauere
Informationen dazu gibt es für Außenstehende nicht. Ein Augenzeugenbericht
erzählt, dass Frau Mewis nach dem Gottesdienst in Trance gefallen sei. Nach dem
Erwachen aus der Trance
berichtete sie im Wachbewusstsein von ihren "Visionen" und
"Offenbarungen" während der Trance-Phase, die von einer Sekretärin
aufgezeichnet werden.
In Heroldsbach wurde beobachtet, wie sie während der Hl. Messe zur Wandlung bei
der Erhebung der gewandelten Hostie umgefallen ist. Nach der Messe erklärte
sie, in dieser Zeit eine "Botschaft" empfangen zu haben, die sie dann
weitergab.
An anderer Stelle spricht sie aber auch von einem
"Aufnahmegerät" (vermutlich Recorder oder Diktaphon). Auf ihrer
Homepage findet sich inzwischen unter http://www.anne-botschaften.de/Video/Botschaft290910.wmv
ein Video einer solchen "Offenbarung". Frau Mewis kniet dabei in der
Hauskapelle und die "Offenbarung" wird von einem Diktaphon
aufgezeichnet.
Wieder eine andere Beobachtung beschreibt es so: "In der Kapelle wurde
laut gebetet. Irgendwann zückte Frau Mewis dann sitzend eine Art Vokabelheft
heraus, nahm ihren Stift und begann zu schreiben. Dies dauerte ziemlich lange,
ich habe es genau beobachtet, eigentlich sah das auch ganz profan aus. Frau
Mewis hat nicht in einem Zug durchgeschrieben, sondern immer wieder innegehalten
und augenscheinlich überlegt. Wenn ich es denn als Überlegen bezeichnen darf.
So wirkte es zumindest auf mich. Ich weiß nun nicht, wie das ist bei Menschen,
die das sog. automatische Schreiben betreiben, ob diese auch immer wieder
innehalten. Insgesamt benötigte Frau Mewis durchaus an die 45 Minuten, bis
diese eine Botschaft von Hand niedergeschrieben war, immer wieder mit Pausen,
während derer sie auf das bereits Geschriebene blickte. " (Sommer
2008)
In der "Botschaft" vom 6.1.09 spricht Frau Mewis selbst über
diesen Vorgang (eingebettet in eine "Offenbarung" Gott-Vaters): "Meine
Kleine, heute habe Ich dich wieder während der Heiligen Wandlung in Ekstase
fallen lassen, wie jedes Mal. In der Ekstase, Meine liebe Kleine, wirst du
vorbereitet, diese Meine Weisungen in Göttlicher Stärke verkünden zu können.
Du wärest nicht fähig, sie in Meiner vollen Wahrheit zu verbreiten, denn du
bist ein schwaches Geschöpf wie alle anderen. Ihr seid Menschen und werdet nie
vollkommen. Der, der Meine volle Wahrheit verkündet, kann es nur mit Göttlicher
Kraft und dieses vollziehst du, Meine Kleine, denn Ich nehme dir alle
menschliche Kraft in der täglichen Ekstase. Du fällst in Göttliche Sphären
und bewegst dich darin. Nichts mehr ist für dich irdisch. Doch du musst wieder
zurück nach dieser Schauung in die Erdgebundenheit. Das fällt dir sehr
schwer."
Wer fühlt sich vor allem angesprochen?
Vom
Inhalt der "Botschaften" fühlen sich vor allem Personen höheren Alters im traditionalistischen
Umfeld angesprochen. Der Anteil der Frauen ist überproportional hoch. Sie fühlen sich durch
die "Botschaften" in ihren schon vorhandenen, aber von der Umwelt
häufig nicht geteilten Anschauungen nun durch göttliche Autorität bestärkt. Eine
wichtige Rolle spielen auch die bei anderen Neuoffenbarer-Bewegungen (z. B. Fiat
Lux, Universelles
Leben...) anzutreffenden Mechanismen: Wunsch nach direktem Kontakt mit dem
Göttlichen; Sucht nach außergewöhnlichen Erfahrungen, Hilfe bei der eigenen
Lebensgestaltung und Entscheidungen durch sichere göttliche Anordnungen...
Was hat es mit der Trennung von den
Kindern auf sich?
In einer "Botschaft" vom 4.5.2008 wurden die Anhänger aufgefordert,
sich von ihren Kindern zu trennen, wenn diese nicht den Kriterien der Gruppe
genügen:
"Nun kommt Meine schwerste Anforderung an euch. Verlasst eure Kinder, wenn sie nicht in Meiner Wahrheit sind.
D.h. wenn sie in schwerer Sünde liegen, so sind sie getrennt von Mir. Wie oft habe Ich sie durch euch aufgefordert, doch auch
diesen Weg mitzugehen. Sie sind Mir nicht gefolgt. Es ist traurig für Mich, nicht für euch, Meine
Kinder. Denkt immer wieder an Mein Leid, das sie Mir antun. Eure Kinder, gebt sie ab an eure
Himmlische Mutter. Sie wird sie formen in Göttlicher Liebe, auch in ihrer Göttlichen Geduld.
Diese Geduld habt ihr nicht, Meine Kinder. Trennt euch von ihnen, so wie es Meinen
Himmlischen Wünschen entspricht. Ihr müsst euch entscheiden zwischen euren Kindern und Mir.
Wenn ihr Mir nachfolgen wollt, so müsst ihr Vater und Mutter, Schwestern und Brüder und Kinder,
verlassen können und Meinen Einzelweg alleine gehen." (die gesamte "Offenbarung":
hier)
In
der "Botschaft"
vom 18.5.08 wurde das noch erweitert: "Trennt euch weiterhin von allen Menschen, von allen Menschen habe Ich gesagt, die nicht diese Wege gehen wollen. Sie werden euch immer wieder aufs Neue behindern, euren Weg gehen zu wollen, und dann fallt auch ihr ab."
Einer
Kranken wurde am 18.8.08 durch "göttliche Offenbarung" befohlen: "Lass niemand in dein Haus, der mit dem Modernismus verbunden ist, denn der Böse ist listig, sehr listig und du wirst es nicht einmal spüren."
In
der Botschaft vom 25.5.08 (nachzulesen: hier)
werden Anwesende direkt durch die "göttliche Stimme" aufgefordert,
sich von ihren Kindern zu trennen:
"Dich möchte Ich zuerst fragen, Meine geliebte Tochter M., ist dir deine Tochter lieber, als Ich es bin? Bist du bereit, diesen Weg weiterhin ohne zu murren mitzugehen? Sage Mir: Ja, ich bin bereit, nur wenn du bereit bist:
‚Ja, ich bin bereit.'
Nun frage Ich dich, geliebte R., liebst du Mich mehr als deinen Sohn, dann sage Mir ein bereitwilliges ‚Ja' ohne zu klagen und folge deinem Herrn und Meister auf diesem beschwerlichen Weg. Sage Mir dein bereites ‚Ja' nochmals:
‚Ja'"
Am 17.9.08 erging folgende Botschaft
angeblich von der Gottesmutter Maria: "Meine geliebten Auserwählten,
noch Einiges darf Ich euch heute kundtun, nehmt in Zukunft Abstand von allen
Menschen, die nicht in dieser Wahrheit sind, d.h. die die Worte des Himmlischen
Vaters nicht befolgen." (nachzulesen: hier)
Etwas
konkreter heißt es in einer Botschaft vom 15.8.09, die wieder der Gottesmutter
Maria in den Mund gelegt wurde: "Und alle, die weiterhin in diese
modernistischen Kirchen gehen und sie betreten, werden mit dem Bösen
konfrontiert. Ich wünsche nicht, dass ihr länger mit diesen Menschen Kontakt
habt, damit das Böse nicht auf euch übergehen kann. Zwar seid ihr geschützt,
doch Ich wünsche es nicht, dass ihr mit diesen Menschen Kontakt pflegt. Trennt
euch von ihnen. Sie behindern euch auf eurem Heiligkeitsweg."
(nachzulesen hier)
Wer
sich diesen Vorgaben nicht fügt, riskiert, in den Botschaften persönliche
angegriffen bzw. aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden: Die Tochter eines
Ehepaars steht kritisch zu den "Botschaften". Die Mutter I. befolgte
den Trennungsbefehl nicht. Daraufhin wird der Vater G. aufgefordert, sich von
seiner Ehefrau zu trennen: "Diese Tochter deiner Frau, ist von Mir
getrennt, weit von Mir getrennt seit vielen Jahren. Diese Ehe ist ungültig, und
ihr Ehemann ist ein Antichrist und geht gegen Meine Kirche ganz massiv vor in bösen
und abfälligen Worten. Er nennt Meine Gnadenkapelle ‚Gebetsschuppen'. Könnt
ihr das verstehen? Ich habe Meiner I. ans Herz gelegt, sich umgehend von ihrer
Tochter zu trennen, solange sie in schwerer Sünde liegt. Des Öfteren und immer
wieder habe Ich ihr diese Chance geboten. Sie hat Meine Worte gehört, aber sie
nicht befolgt. ... Nochmals habe Ich einen Wunsch: Trenne dich räumlich von
deiner I., solange sie in dieser schweren Sünde verharrt. Diese Chance gebe Ich
dir erneut. Besorge dir diese Wohnung schnellstens und habe keinen Kontakt mehr
mit dem Bösen in deiner I.. Du wirst umgarnt, und deine Aufgabe wird dir
genommen. Es ist die volle Wahrheit, die Meine Tochter Anne spricht. ... (an
die anderen Anhänger/innen gerichtet:) Wenn er Meinen Wünschen nicht
entspricht, trennt euch umgehend, Meine Kinder, denn Meine Zeit ist gekommen, in
der Ich alles Böse von euch abtrennen muss." (Botschaft
vom 21.11.08)
Die Botschaft vom 10.4.10 lässt Frau Mewis die Gottesmutter
Maria sagen: "Meine geliebte kleine Schar. Ihr seid dafür auserwählt:
Zunächst zum Leid, zum Erleiden. Niemand wird euch verstehen. Darum bitte Ich
euch: Trennt euch von allen, die euch auf diesem Weg behindern könnten. Ich
möchte euch von allem befreien, damit Ich dieses Leiden voll und ganz in dir,
Meiner Kleinen, erleben kann und erleiden darf. Alle Hindernisse möchte Ich
euch aus dem Weg räumen. Jeglichen Kontakt, sei es brieflich oder sei es
telefonisch oder sei es persönlich, möchte Ich von euch abhalten. Es ist Mein
Wunsch, der Wunsch eurer Himmlischen Mutter, den Ich weitergeben darf, so wie
Mein Sohn und Mein Himmlischer Vater es wünschen." (Botschaft
vom 10.04.10)
Die Problematik solcher Aussagen wird
deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese Worte von Frau Mewis für
die Anhänger(innen) als wörtliche Rede Gottes gelten und damit höchste und
nicht hinterfragbare Autorität und Verbindlichkeit beanspruchen.
Wie steht die traditionalistische Bewegung
dazu?
Inzwischen hat sich die
größte traditionalistische Bewegung, die Priesterbruderschaft
St. Pius X. sehr deutlich von den Anne-Botschaften distanziert. Diese
müssen doch beachtliche Resonanz unter Traditionalisten gehabt haben. Denn im
Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft vom April 2008 (pdf-Datei,
S.18-27) widmet sich ein eigener kritischer Artikel ausführlich über neun
Seiten den Anne-Botschaften und ihrer Bewertung aus traditionalistischer
Sicht.
Welche Indizien sprechen gegen eine Echtheit
der "Botschaften"?
Es gab und gibt eine Unmenge Personen, die meinen, dass durch sie Gott bzw.
jenseitige Kräfte sprächen. Die Frage der Echtheit (also ob die Botschaft
wirklich übernatürlichen Ursprungs ist) lässt sich dabei nie sicher, sondern
immer nur mit menschlicher Wahrscheinlichkeit klären. Bei den
"Anne-Botschaften" tauchen allerdings viele Dinge auf, die als
Kriterium dafür gelten, dass es sich nicht um einen übernatürlichen,
sondern einen rein menschlichen Ursprung handelt.
- Die Aussagen und theologischen Positionen der "Offenbarungen"
sind die gleichen, welche Frau Mewis und ihr Umfeld bereits in der
traditionalistischen Szene vorher vertreten und propagiert haben.
Das legt die Vermutung nahe, dass der Inhalt der "Offenbarungen"
nicht von Gott, sondern aus der "Seherin" selber kommt, weil die
"Botschaften" ein Spiegel ihrer eigenen Wünsche und Anschauungen
sind. Diese werden
jetzt nur mit angeblich göttlicher Legitimation wiederholt und aufgewertet.
- Es gibt nachweislich falsche Aussagen: In der "Botschaft"
vom 4.1.09 heißt es z. B.: "Nur Meine Pius-Brüder feiern das
Heilige Opfermahl für Mich, ganz allein für Mich. Sie gehorchen nicht
dieser Kirche, dieser so genannten katholischen Kirche und wollen auch ihre Exkommunikation
nicht zurückgenommen bekommen." Zu diesem Zeitpunkt liefen aber
bereits seit langem die Verhandlungen in Rom und es war in einem Brief der
Pius-Bruderschaft vom 15.12.08 an den Papst explizit um die Rücknahme der
Exkommunikationen gebeten worden. Erst als die Rücknahme der
Exkommunikationen am 24.1.09 verkündet wurde und über die Medien auch
Frau Mewis davon erfuhr, tauchte dieser Fakt dann in den
"Botschaften" auf. Wenn die "Botschaften" wirklich vom
allwissenden Gottvater kämen, hätte er nicht eine solch klare Falschmeldung offenbart.
Auch hier zeigt sich, dass die "Botschaften" dem Wissensstand der
"Seherin" entsprechen. Sie hat keine Kenntnis von internen
Vorgängen in Rom und muss ihre Informationen darüber den Medien entnehmen.
- Dass die "Botschaften" dem Wissen der Seherin und nicht dem
des allwissenden Gottes entsprechen, zeigt sich auch in
kirchenrechtlichen Fragen: So heißt es in der "Botschaft" vom 25.1.09:
"Wie viele Früchte wird es tragen, wenn die Pius-Bruderschaft durch
die jetzt aufgehobene Exkommunikation in allen Kirchen das Heilige Opfermahl
im Tridentinischen Ritus feiern kann." Dies ist in sich falsch.
Nach dem Kirchenrecht wurde nur die Exkommunikation der
Pius-Bruderschafts-Bischöfe aufgehoben. Sie sind ebenso wie die Priester
der Bruderschaft weiterhin suspendiert, d.h. es ist ihnen die Ausübung
ihres Bischofs- bzw. Priesteramtes in der Kirche untersagt. Deshalb können
sie eben nicht in allen Kirchen die tridentinische Messe feiern, sondern wie
bisher nur in den Kapellen der Piusbruderschaft. Ähnlich
wie vielen anderen Zeitgenossen sind Frau Mewis diese kirchenrechtlichen
Feinheiten aber nicht bekannt. Von Gott würden solche falschen Aussagen
aber nicht offenbart werden.
- Einzelne "Botschaften" widersprechen sich: In der
"Botschaft" vom 6.1.09
heißt es: "Leider irrt Mein Oberster Hirte ab. Er lässt sich von
allen Kräften der Freimaurerei beeinflussen und befolgt auch nicht Meine
Wahrheit. Er ist völlig in dieser Irrlehre. So traurig wie es ist, Meine
Kinder, Meine Gläubigen, auch ihr habt keinen Obersten Hirten mehr. Ihr
seid hirtenlos." Hier vertritt Frau Mewis die Position der
Sedisvakantisten, die behaupten, es gebe derzeit keinen rechtmäßigen
Papst. Wenige Tage später heißt es in der "Botschaft" vom 25.1.09:
"Ich habe die Pius-Brüder erwählt, damit sie den Heiligen Vater,
Meinen Stellvertreter auf Erden, stützen können. Man fällt über ihn her,
als wenn reißende Wölfe ihn umgeben würden. Man lässt ihm keinen
Spielraum, um seine Worte und Wünsche in der Wahrheit zu künden. Diese
Dekrete, die er verfassen will, sie werden abgeändert, leider, Meine
Kinder." Hier erscheint der Hl. Vater auf einmal nicht mehr als vom
Glauben abgefallen und dadurch de facto nicht im Amt, sondern als ein Opfer
seiner Umgebung und Gegner. In der "Botschaft" vom 6.3.09
heißt es sogar: "Der Heilige Vater, euer Oberster Hirte, wird stark
durch diese Verspottungen und Anfeindungen. Er wird nicht schwach werden,
denn Ich, der Himmlische Vater, habe ihn, Meinen Obersten Hirten, erwählt."
Gegenüber der "Botschaft" vom 6.1.09 wäre das eine Wendung um
180 Grad. Einige Monate später, am 30.5.09
heißt es jedoch schon wieder: "Es gibt keine Interreligion. Es gibt
auch keine Interkommunion. Alles hat man zerstört und alles wird man euch
in der Irrlehre verkünden. Es ist eine Irrlehre, die Meine Kardinäle und
Meine Bischöfe und auch Mein Stellvertreter auf Erden verkündet." (Dazu
wäre noch zu bemerken, dass Papst, Bischöfe und Kardinäle weder Interreligion
noch Interkommunion verkünden. Diese Befürchtungen existieren aber in den
Verschwörungstheorien traditionalistischer Kreise.)
- Die Bewegung ist stark auf die "Seherin Anne" fixiert. Zwar
tauchen in den "Botschaften" immer wieder Passagen auf, dass Anne
unbedeutend sei und es nur um Gottes Botschaft ginge. Allerdings ist in fast
jeder "Botschaft" ebenso die Rede von "Meinem willigem,
gehorsamem und demütigem Werkzeug Anne". Durch die ständige
Wiederholung hat sich das inzwischen schon zu einer Art rituellem Ehrentitel
entwickelt.
Weiterhin wird behauptet, Gott spräche persönlich durch Frau Mewis: "Nicht Meine Botin Anne spricht diese Weisungen zu euch, sondern Ich, Gott Vater. Meine Kleine bleibt Mein Sprachrohr und ein Nichts. Sie bekommt Meine Botschaften original eingesprochen und darf auch nichts daran ändern. Sie gehorcht Mir ganz und gar."
(12.5.08) In der "Botschaft" vom 6.9.08 heißt es: "...
wie ich auch für Deutschland Meine Botin Anne erwählt habe." Die
"Seherin" zieht also aus diesen Vorgängen selbst einen Ansehens-
und Bedeutungsgewinn. Auch die Versuchung der Macht (Die Anhänger machen
das, was ich sage, weil es ja Gottes Befehle sind.) darf nicht unterschätzt
werden. Die "Offenbarung" vom
25.12.08 legt nahe, dass sie auch materielle Vorteile aus diesen
"Kundgaben" zieht.
- Personen, die mit der "Seherin" bzw. ihrem Umfeld in Konflikt
stehen (vor allem Priester), werden in den "Botschaften"
persönlich angegriffen und teilweise religiös bedroht. "Du, Mein
geliebter Priestersohn Thomas, hast diese Worte gesprochen. Kannst du das
vor dir selbst verantworten? Glaubst du, du wirst nicht einmal am letzten
Tag in der Verantwortung gefragt, was du getan hast, nicht als Direktor,
sondern als Mein berufener Priestersohn? Dieser Direktor ist von der Welt,
aber du bist berufen für Meine Kirche. Doch du gehorchst Mir nicht. Du
befolgst die Wünsche der Freimaurer." (6.9.08)
Gegen den Verfasser des kritischen
Artikels im "Mitteilungsblatt" der Pius-Bruderschaft heißt es
am 3.5.09: "Und nun möchte Ich diese Weisungen Meinem geliebten
Priestersohn und Pater Steiner nochmals ans Herz legen. Du Mein geliebter
Priestersohn, Pater Steiner, hast Meine Botin verspottet, verhöhnt und
angefeindet in gröbster Weise und dieses veröffentlicht. Du hast Meinen
Sohn und Küster Schönfeld mit hineingezogen in diese Verspottung. Auch er
hat Meine Botin, die Ich erwählt habe, und Meinen Priestersohn, den nur Ich
erwählen konnte, verspottet in gröbster Weise. Wie konntet ihr das tun?
Solch eine große Sünde wiegt sehr schwer. Begreife es, geliebter
Priestersohn. Wenn du an diesem Vergehen weiterhin festhältst und es nicht
bereust, so bist du Meiner nicht wert."
Ähnlich wettert
Frau Mewis in der "Botschaft" vom 2.10.2008
gegen eine "Konkurrentin", die ebenfalls behauptet, Botschaften
von Gott zu empfangen. (siehe deren
Homepage) Hier zeigt sich
sehr deutlich das starke Eigeninteresse der "Seherin" in den
Inhalten der "Botschaften".
Gegen den Direktor einer Gebetsstätte heißt es: "Wie
oft habe Ich euch diese Chancen gegeben, auch dir, Mein geliebter Pfarrer X (auf
der Homepage von Frau Mewis ist der Klarname ausgeschrieben). Warum nennst du dich weiterhin Direktor? Ich habe es dir untersagt
in einer Einsprechung. Du hast Meine Botschaften gelesen, doch du befolgst
sie nicht. Warum gibst du dich weiterhin der Freimaurerei anheim? Warum
paktierst du mit ihnen? Warum bringst du Meine geheiligte Stätte in Unruhe?
Warum enttäuscht du Meine Pilger und täuscht sie durch unwahre Predigten?
Wie viele Sakrilegien hast du bereits begangen. Willst auch du in den ewigen
Abgrund hinabstürzen? Mit wie vielen schweren Sünden bist du behaftet.
Warum lässt du Meine Botschaften nicht zu? Du weißt, dass in deiner
Gebetsstätte der Böse wirkt. Du hast dem Bösen Raum gegeben. Du hast ihn
sogar eingeladen durch eine Besessene, die Meinen geliebten Priestersohn
verunehrt und hinausgeworfen hat durch ihren Rat, den du befolgt hast. Hast
du richtig gehandelt, Mein Pfarrer X.? Du verbietest an dieser Gebetsstätte,
dass Meine Botschaften Raum bekommen. Sie dürfen an deiner Gebetsstätte
nicht verkündet werden. Doch bedenke, dass es Meine Gebetsstätte ist. Ich
habe die Kraft, dich zu stürzen." (Botschaft vom 16.08.09
- dort noch ausführlicher)
Nachdem die Versuche, in Geismar aktiv zu werden gescheitert sind, heißt es
in der "Botschaft" vom 24.8.09:
" Dieser, Mein Sohn und Priestersohn, Pfarrer Y
(auch hier stehen auf der Mewis-Homepage der volle Name), hat
Meine Kinder aus der Kirche handgreiflich hinaus gestoßen durch seinen
Helfershelfer, den Kaplan Z
(dito). Du, Mein geliebter Priestersohn W.
(dito), sollst heute in dieser Botschaft die Wahrheit erfahren. Du
bist leider den Anordnungen deines Bischofs gefolgt. Er gehorcht der
Freimaurerei, Mein geliebter Priestersohn W.. Willst du auch dieser
unterliegen?...Du hast Meinen Priestersohn, Pfarrer Lodzig
(Mewis-Anhänger), böswilligst
behandelt und verleumdet. Du hast ihm am Telefon viele Bösartigkeiten
entgegengeschleudert, ohne dich zu überzeugen, welchen Priestersohn du vor
dir hast und ohne dich zu überzeugen, ob es die Wahrheit ist, die durch die
Botschaften Meiner Tochter Anne kundgetan werden. Du hast sie als null und
nichtig erklärt. Du hast gesagt, du willst dich damit nicht beschäftigen,
- mit diesem Irrsinn. Du hast weiterhin die Mahlgemeinschaft gefeiert am
Volksaltar, nicht an Meinem Opferaltar, so wie Ich es gewünscht habe. Du
hast deinem Bischof den Gehorsam erwiesen. Weißt du nicht, dass er dieses
Tridentinische Heilige Opfermahl ablehnt, obwohl Mein Oberster Hirte dieses
freigegeben hat, dieses in allen Pfarreien zu feiern, das Opfermahl Meines
Sohnes Jesus Christus? Auch du, Mein geliebter Priestersohn W., hast dies
abgelehnt. Auch du bist in der Freimaurerei vereint. Wenn du diesem
Oberhirten, Norbert Trelle
(Bischof von Hildesheim), den Gehorsam erweist, so liegst du nicht im
Willen deines Himmlischen Vaters in der Dreieinigkeit....Weißt du nicht,
Mein geliebter Priestersohn W., dass in dieser Pfarrei, Maria Königin
des Friedens in Geismar, ein großer Wallfahrtsort entstehen sollte?"
In der "Botschaft" vom 30.8.2009
werden einem namentlich genannten Priester, der das Treiben der Mewis-Gruppe
an seiner Gebetsstätte unterbunden hat, bei voller Namensnennung persönliche Verfehlungen
(Alkoholismus, Unterschlagung, uneheliche Beziehung) unterstellt.
Nachdem der betroffene Priester gegen diese Verleumdung juristisch
vorgegangen ist, musste Frau Mewis alle Passagen, die ihn betreffen, aus den
"Botschaften" auf der Homepage entfernen und einen Widerruf
veröffentlichen. Laut der "Botschaft" vom 20.12.09
wurde Frau Mewis zu 10.000 Euro Schadenersatz und 6.000 Euro Gerichtskosten
verurteilt.
Gegen die leitenden Verantwortlichen der Piusbruderschaft wendet sich die
"Botschaft" vom 7.9.2009.
- Damit verbunden ist ein regelrechter Verfolgungswahn ("So
konsequent wie noch nie habe ich Meine Botin Anne vorbereitet. Sie kennt nur
die eine Wahrheit, und Ich gebe in voller Fülle diese Wahrheit durch sie
ins Internet. Man wird sie verfolgen, ja, man möchte sie umbringen,
ermorden, damit es diese Einzige Kirche nicht geben kann. Man möchte sie völlig
zerstören." - 4.1.09).
- Das Eigeninteresse von Frau Mewis und ihrem Umfeld wird auch darin
deutlich, wenn der bischöfliche Entzug der Beichtvollmacht für den
betagten Priester, der sich ihr angeschlossen hat, angeblich auf
"göttliche Anordnung" für die Hauskapellen ihrer Bewegung
aufgehoben wird: "Nun, Mein geliebter Priestersohn, wünsche Ich von
dir, dass du in deinen von dir gegründeten Hauskapellen Mir zuliebe Mein
Heiliges Bußsakrament entgegennimmst. Diese Vollmacht wurde dir genommen,
doch du bist Mein geweihter Priestersohn und diese Vollmacht möchte Ich dir
heute in aller Stärke erneut erteilen." (25.9.08). Hierzu gehört auch die unerlaubte Ausübung von Exorzismen
(Teufelsaustreibungen): "In Jesu Namen werde Ich durch Meinen
Priestersohn weiterhin die Besessenen von den bösen Geistern befreien. Ja,
diese Weihe hat er erhalten. Er ist Exorzist! Glaubt es Mir, Meine Gläubigen!
Kommt zu ihm und lasst euch befreien vom Bösen. Ihr werdet verirrt
umherlaufen, denn die Wahrheit ist nirgendwo mehr erkennbar."
(4.1.09)
- So aufregend es für die Anwesenden bei den "Offenbarungen" sein
mag: Für Außenstehende wirken die "Botschaften" in weiten
Strecken erschreckend kleinkariert und provinziell. Neben einigen
"Botschaften"
mit einem hohen Anspruch an die gesamte Kirche bzw. Menschheit stehen
erstaunlich viele, die ganz speziell auf die konkrete Situation der Handvoll
Mewis-Anhänger Bezug nehmen und die kleinen Alltagsproblemchen dieser Schar
betreffen.
- Die Schilderungen Frau Mewis von ihren "Visionen" vor den
"Offenbarungen" sind blumig und phantastisch ausgeschmückt und
geben die Vorstellungswelt gefühlvoller Andachtsbildchen
traditionalistischer Kreise wieder: "Jesus ist um 24.00 Uhr in die Monstranz hinein gegangen.
Die Engel hatten einen Kreis um die Monstranz gebildet mit drei goldenen Ringen. Sie hatten goldene Kleider an und weiße Flügel, Myrtenkränze auf ihren Köpfen und beteten mit erhobenen Händen kniend an."
(13.7.08) Auch hier zeigt sich, dass der Inhalt der "Visionen" mit
der persönlichen Bilderwelt der "Seherin" übereinstimmt und
ihren ästhetischen Vorlieben entspricht. Eine echte Offenbarung hätte
immer auch ein Element des In-unsere-Welt-Hineinbrechens, des
Unverständlichen, Verwirrenden und Geheimnisvollen, wie es einem z. B. bei
der Hl. Hildegard von Bingen oder Meister Eckart begegnet.
- Man kann von einer inflationären Häufigkeit der
"Offenbarungen" sprechen, die mitunter mehrmals wöchentlich
auftreten.
- Die "Botschaften" stehen zum Teil im Widerspruch zur Lehre der Kirche.
Nach kath. Lehre ist die Offenbarung Gottes mit Jesus Christus an ihren
Höhepunkt gelangt und abgeschlossen. Spätere Privatoffenbarungen können
dem nichts mehr hinzufügen - und vor allem dürfen sie nicht im Widerspruch
zur Christus-Offenbarung und ihrer Tradierung in der Kirche stehen. Frau
Mewis sieht ihre "Botschaften" hingegen als notwendige Ergänzung
der Bibel. (Gegen Kritiker der Anne-Botschaften wird gesagt: "Woher
nehmt ihr das Recht, dieses zu tun, da Ich sie erwählt und ernannt habe,
Meinen Willen zu tun, Meine Botschaften in die Welt hinaus zu geben? Denn
glaubt, dies ist erforderlich und dies ist eine Ergänzung der Bibel" -
Botschaft vom 22.2.09) siehe auch die Botschaft
vom 8.12.08
- Frau Mewis und ihr Umfeld stellen sich nicht der Untersuchung und dem Urteil der
Kirche. Die Kirche (im konkreten Fall der Ortsbischof) wäre die
Instanz, welche bei den Hunderten von angeblichen Privatoffenbarungen und
Erscheinungen zu prüfen hat, ob es sich um eine übernatürliche
Pivatoffenbarung handelt. Deshalb muss sich eine solche Offenbarung der
Prüfung und dem Urteil der Kirche stellen. Sie darf auch erst nach dieser
Prüfung und einem positiven Urteil veröffentlicht werden. Die Verweigerung
dieses Prozedere ist ein Zeichen geistigen Hochmuts.
Die Behauptung der Mewis-Anhänger auf ihrer Webseite,
dass seit 1966 Privatoffenbarungen frei veröffentlicht werden können,
entspricht nicht den Tatsachen. Die vatikanische Glaubenskongregation stellt
dazu 1996 (im Zusammenhang mit einer anderen Neuoffenbarerin) fest:
"1) Jene Interpretation, wie sie von manchen Personen gegenüber einer von Papst Paul VI. am 14. Oktober 1966 gegebenen und am 15. November dieses Jahres promulgierten Entscheidung gegeben wurde, wonach Schriften und Botschaften aus angeblichen Offenbarungen frei in der Kirche verbreitet werden dürften, ist absolut unbegründet. Diese Entscheidung bezog sich tatsächlich auf die "Abschaffung des Index der verbotenen Bücher", und bestimmte, dass nach Aufhebung der entsprechenden Zensuren die sittliche Verpflichtung aufrecht bleibe, diese Schriften, welche den Glauben und die Sitten gefährden, weder zu verbreiten noch zu lesen.
2) Es sollte jedoch in Erinnerung gerufen werden, dass in bezug auf die Verbreitung von Texten angeblicher Privatoffenbarungen Canon 823 §1 des gegenwärtigen Rechtsbuches in Kraft bleibt: Die Hirten der Kirche "können ... verlangen,
dass von Gläubigen herauszugebende Schriften, die den Glauben oder die Sitten berühren, ihrem Urteil unterworfen werden".
3) Angebliche übernatürliche Offenbarungen und Schriften, welche diese betreffen, unterstehen in erster Instanz dem Urteil des Diözesanbischofs und in bestimmten Fällen dem Urteil der Bischofskonferenz sowie der Kongregation für die Glaubenslehre."
(Quelle: L'Osservatore Romano, Weekly Edition in English, 4 December 1996, 12
Acta Apostolicae Sedis ( AAS), vol. LXXXVIII, N. 12 (5 December 1996), 956-957;
inoffizielle Übersetzung: hier
nachzulesen)
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Bemerkung auf der
Mewis-Homepage "Mit den vorliegenden Veröffentlichungen soll dem
endgültigen Urteil der Kirche nicht vorgegriffen werden." In den
"Botschaften" werden jedoch Bischöfe und kirchliche Autoritäten
kritisiert und religiös bedroht, weil sie die "Botschaften" nicht
sofort kritiklos akzeptieren und sich ihrem Anspruch beugen. Wenn man damit
nicht dem Urteil der Kirche vorgreift - Wie müsste denn dann ein Verhalten
aussehen, das dem Urteil der Kirche vorgreift?
- Die "Botschaften" dienen nicht der Auferbauung der Kirche, sondern führen
zur Spaltung. Mit dem Gedanken, Gott wolle angeblich aus ihren Anhängern
eine eigene Kirche gründen, stellt sich Frau Mewis außerhalb der
Glaubensgemeinschaft der Kirche und ist auf dem Weg in eine Sekte.
- Die Botschaften führen nicht zu mehr Liebe, sondern verursachen Leid im
persönlichen Umfeld (Trennung von den Kindern). Auch hier stellt sich der
Verdacht, dass die Leichtgläubigkeit der Anhänger durch die Trennung vom
kritischen sozialen Umfeld verstärkt werden soll. Durch die
"Botschaften" entsteht nicht mehr Liebe, sondern Fanatismus,
Aggressivität und Bitterkeit. Diese negativen Folgen sind ein weiterer
deutlicher Hinweis für eine nicht-göttliche Herkunft der
"Botschaften".
Ist es ein Betrug?
Ob
Frau Mewis persönlich von der Echtheit ihrer "Offenbarungen"
subjektiv ehrlich überzeugt ist oder die göttliche Herkunft der
"Offenbarungen" bewusst vortäuscht, um sich hervorzuheben, zu
bereichern oder eigene
theologische und kirchenpolitische Ziele durchzusetzen, lässt sich von außen
kaum beurteilen. Auch andere mögliche irdische Ursachen (z. B. innerpsychischer
Art) ließen sich erst nach eingehender Beobachtung und Untersuchung des
Vorgangs der "Botschaften" und der "Seherin" feststellen. Bis zum Vorliegen eindeutiger Indizien muss diese Frage offen
bleiben. Der in der Botschaft vom 4.1.09 auftretende Verfolgungswahn lässt
allerdings die Frage nach innerpsychischen Ursachen bei der "Seherin"
an Gewicht gewinnen.
In einem Bericht über eine angeblich weinende Madonnenstatue in
Heroldsbach wird sie namentlich als Zeugin genannt (Bericht
im Hamburger Abendblatt, 16.3.07) und hat sich das "Wunder" auch
propagandistisch zu Nutzen gemacht (Bericht
in Welt, 1.12.07). In einem Gutachten (Bericht
im Focus vom 30.11.07) gab es aber Hinweise auf eine mögliche Manipulation
mit Leitungswasser aus den nahe gelegenen Toiletten. Wer diese evtl. ausgeführt
hat, war aber nicht mehr festzustellen. So könnte Frau
Mewis hier auch nur ein Opfer ihrer Wundersucht und Leichtgläubigkeit geworden
sein.
Allerdings bleibt sie von diesen Erkenntnissen unberührt und lässt am 12.6.09
die Gottesmutter Maria in einer "Botschaft" sagen: "Ich, eure
liebste Mutter, möchte euch noch kundtun, dass Ich auch zum dritten Mal hier
weinen werde an dieser Stätte. Glaubt daran! Doch man wird auch diese Tränen
ablehnen. Doch Ich weine um Meine Stätte und um diese Priester hier an dieser
Stätte. Glaubt Mir und tröstet Mich in Meinem Leid.". Am 14.6.09
heißt es: "In dieser Statue hat Sie das zweite Mal geweint. (Anm. in
der Nacht des 13. Mai 2009 ab 2.00 Uhr) und es wird auch noch das dritte Mal
geschehen, weil Sie um diese Priester an dieser Gebetsstätte das größte Leid
erlebt."
Ist es eine Sekte?
Die
Gruppe um Frau Mewis weist viele Merkmale einer stark konfliktträchtigen religiösen
Gruppe (umgangssprachlich als "Sekte" bezeichnet) auf:
- starke Fixierung auf die Person der "Seherin"
- Zugriff auf den materiellen Besitz der Anhänger (siehe hier)
- Isolation der Anhänger von ihrem sonstigen sozialen Umfeld (Trennungsbefehl)
- ausgeprägte Feindbilder
- dualistische Weltsicht (alles außerhalb der eigenen Gruppe ist vom Bösen
beherrscht bzw. im Verfall begriffen) - hierhinein gehört auch die
unerlaubte Ausübung von Exorzismen (Teufelsaustreibungen)
- Verfolgungswahn
- (verbale) Aggressivität gegen Andersdenkende
- Intention zur Gründung einer eigenen Gemeinschaft, die als rettende Arche
erscheint
- Eine absolute Verpflichtung der Anhänger zum Gehorsam gegenüber den
Worten der "Seherin" durch
angeblich "geoffenbarte" Anordnungen Gottes, die sich mitunter
auch persönlich an einzelne Anwesende richten.
- Fehlen einer Kontroll- und Urteilsinstanz über der "Seherin",
welche Auswüchse (wie z. B. den Trennungsbefehl von den Kindern) verhindern
und korrigieren kann.
- keine Diskussions- und Kritikmöglichkeit innerhalb der Gruppe (Wer
dürfte es sich erlauben, eine Offenbarung oder Teile von ihr in Frage zu
stellen?)
- keine Duldung von abweichendem Verhalten innerhalb der Gruppe (z. B.
beim Trennungsbefehl), Bestrafungen
für das Vertreten anderer Auffassungen
- Inzwischen hat es im Umfeld der Gruppe wohl einen Suizid gegeben. Ein
Bernd B. berichtet am 6.1.09 im Anne-Betroffenen-Forum (http://anne-botschaften.foren-city.de, unter "Botschaft vom 4.Mai
2008")
"Ich muss hier in diesem Forum allen recht geben. Bei Anne handelt es sich um keine Botschafterin Gottes. Auch wir haben negative Erfahrungen gemacht. Der Vater einer Bekannten von mir hat sich suizidiert, nachdem er an einem
an sich christlichen Ort die Begegnung mit "Annes Botschaften" gemacht hat. Er hat ihren "Weissagungen" gelauscht und beging einen Monat später
Selbstmord ... er erhängte sich ... obwohl er zuvor ein zufriedener genügsamer, gar froher Mensch war. Was ich erst später erfuhr ist, dass auch er seine Kinder vom Haus verwiesen hatte.. auch seine Frau war verschwunden."
Natürlich kann man auch hier nicht sicher sagen, ob er Kontakt zur
Mewis-Gruppe aufnahm, weil er Probleme hatte oder ob er die Probleme durch
diese Gruppe bekam bzw. diese Gruppe schon vorhandene Probleme noch
verstärkte. Zumindest sollte ein solches Ereignis zur Vorsicht mahnen.
Wo finde ich weitere Informationen?
Eine sehr informative Darstellung des Phänomens Privatoffenbarung aus
theologischer und psychologischer Sicht findet sich in dem empfehlenswerten
Buch:
Ulrich Niemann, Marion Wagner: Visionen - Werk Gottes oder Produkt des
Menschen?; Regensburg 2005; (Verlag Friedrich Pustet); 1. Auflage; ISBN: 3-7917-1954-8; Preis: ca.
16,90 € Stand: 2008
(Über einen Klick auf das Bild des Buches auf der rechten Seite gelangen Sie auf eine
Seite von Amazon.de, wo Sie sich näher darüber informieren und es ggf.
auch bestellen können.) |
 |
| weiterhin empfehlenswert ist:
Privatoffenbarungen - Wiener Werkmappe Nr. 95, Wien 2009
(Referat für Weltanschauungsfragen), 110 Seiten, Preis: ca. 6 €
Bestellmöglichkeit über: Referat
für Weltanschauungsfragen
(einer grundsätzlichen Information über theologische Fragen bei
Marienerscheinungen, ihrer Faszination, Problematik und
Beurteilungskriterien schließen sich Darstellungen zu folgenden
angeblichen Erscheinungen an: La Salette, Marpingen, Amsterdam, Medjugorje,
Schio, Kuruscek, Manduria und Agnes Ritter) |
|
|
 |
|
©
Gerald Kluge,
Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen im Bistum
Dresden-Meißen
URL der Originalseite: http://www.sekten-sachsen.de/anne01.htm
aktualisiert: 14.05.11
Site Map
Was ist neu
Suche